{"id":228,"date":"2007-05-12T21:53:10","date_gmt":"2007-05-12T20:53:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=228"},"modified":"2007-05-12T21:56:45","modified_gmt":"2007-05-12T20:56:45","slug":"und-sie-halten-doch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=228","title":{"rendered":"Und sie halten doch!"},"content":{"rendered":"<p>Wann immer ein vorurteilsbeladener Rotweintrinker ob der Qualit\u00e4t der \u00f6sterreichischen Roten nicht umhin kommt, diesen Anerkennung zu zollen, tut er dies mit folgendem Vorbehalt: <em>Ja, in der Jugend m\u00f6gen sie gut sein, aber sie halten nicht&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Nicht das an diesem Argument nichts dran w\u00e4re. Es gibt gen\u00fcgend Beispiele f\u00fcr heimische Rote, die alt geworden sind, ohne je im positiven Sinne reif gewesen zu sein. Aber es gibt auch gar nicht so wenige Gegenbeispiele.<\/p>\n<p>Zwei davon aus unserem Keller habe ich heute mit Freude in einer geselligen Runde getrunken (und nur am Rande verkostet \ud83d\ude09 ):<!--more--><\/p>\n<p><strong>Blaufr\u00e4nkisch 1994<\/strong><br \/>\nAuf der schnellen Suche nach einem Rotwein fiel mir eher zuf\u00e4llig eine Flasche unseres ganz normalen &#8222;Einstiegsweines&#8220; in die H\u00e4nde. 1994 war zwar ein durchaus gutes Rotweinjahr, aber dieser Wein war nicht dazu gedacht, 12 Jahre gelagert zu werden. J\u00fcngere Rebst\u00f6cke mit zwar reduziertem, aber trotzdem gar nicht so niedrigem Ertrag. Ein trockenes, hei\u00dfes Jahr, eine &#8222;normale&#8220; Vinifikation, 12,5% Alkohol und ein gutes halbes Jahr in traditionellen F\u00e4ssern. Damals zu einem gesch\u00e4tzten Preis von rund 50,-Schilling (knapp 4 Euro).<\/p>\n<p>Meine Erwartungen waren also nicht allzuhoch. Aber siehe da, der Wein war perfekt. Nicht im Sinn von &#8222;gro\u00df&#8220;, daf\u00fcr fehlte es ihm &#8211; welch Wunder &#8211; an Substanz und Komplexit\u00e4t. Aber er war voll Leben, verband Frucht mit Reife, zeigte eine verbl\u00fcffende &#8222;S\u00fc\u00dfe&#8220; am Gaumen und gerade so viel Tannin, um nicht im Abgang konturenlos und beliebig zu verschwinden.<\/p>\n<p>Ein echter Genu\u00df, auch f\u00fcr Gelegenheitsweintrinker, deren Geschmacksbild von Wein \u00f6sterreichtypisch jungweingepr\u00e4gt ist. Nachdem die Flasche verbl\u00fcffend schnell geleert war, begab ich mich erneut in unser &#8222;Archiv&#8220;. Mutig geworden entschied ich mich f\u00fcr<\/p>\n<p><strong>Alte Rieden, Blaufr\u00e4nkisch-Cabernet 1992<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Drittel Blaufr\u00e4nkisch von den \u00e4ltesten Rebst\u00f6cken, gemeinsam vergoren mit der ersten Ernte vom Cabernet. Damals der Spitzenwein unseres Sortiments, der bis dahin beste Rote des Betriebes \u00fcberhaupt und ebenfalls ein gutes (hei\u00dfes, trockenes) Rotweinjahr. Im Vergleich zu obigem Blaufr\u00e4nkisch deutlich niedrigere Ertr\u00e4ge, h\u00f6here Reife, etwas mehr Alkohol (gut 13%) und etwa ein Jahr in neuen und \u00e4lteren Barriques. Damals zu einem gesch\u00e4tzen Preis von 130,- Schilling (knapp 10 Euro).<\/p>\n<p>Auch dieser Wein war heute nach 14 Jahren in toller Verfassung. Wie schon in seiner Jugend war er deutlich strukturierter als obiger Blaufr\u00e4nkisch. Der hohe Anteil an Weins\u00e4ure in den besonders reifen Trauben f\u00fchrte damals dazu, da\u00df nach dem biologischen S\u00e4ureabbau ein relativ hoher S\u00e4uregehalt im Wein verblieb (\u00fcber 6 g\/l). Dieser S\u00e4uregehalt tr\u00e4gt bis heute die Fruchtigkeit dieses Weines, die den Einflu\u00df des Cabernet nicht verleugnen kann.<\/p>\n<p>Die h\u00f6here S\u00e4ure pr\u00e4gt nat\u00fcrlich auch den Geschmackseindruck am Gaumen. Zwar wirkt der Wein nicht s\u00e4urebetont, aber doch recht straff und schlanker, als er ist. Ob eine geringf\u00fcgige Ents\u00e4uerung (die wir damals \u00fcberlegt, aber dann doch nicht durchgef\u00fchrt haben) den Wein &#8222;besser&#8220; gemacht h\u00e4tte, l\u00e4\u00dft sich auch heute nicht sagen.<\/p>\n<p>Den meisten meiner G\u00e4ste schmeckten die &#8222;Alten Rieden&#8220; (noch) besser, als der Blaufr\u00e4nkisch. Ich pers\u00f6nlich war mir da nicht ganz so sicher. Aber die &#8222;Alten Rieden&#8220; wirkten auf jeden Fall deutlich lebendiger. Im Unterschied zum Blaufr\u00e4nkisch, der keine Reserven f\u00fcr eine weitere Entwicklung mehr erkennen lie\u00df, ist sie auch nach 14 Jahren noch (lange?) nicht am Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann immer ein vorurteilsbeladener Rotweintrinker ob der Qualit\u00e4t der \u00f6sterreichischen Roten nicht umhin kommt, diesen Anerkennung zu zollen, tut er dies mit folgendem Vorbehalt: Ja, in der Jugend m\u00f6gen sie gut sein, aber sie halten nicht&#8230; Nicht das an diesem Argument nichts dran w\u00e4re. 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