{"id":2249,"date":"2010-01-13T00:38:52","date_gmt":"2010-01-12T23:38:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2249"},"modified":"2011-01-23T08:35:02","modified_gmt":"2011-01-23T07:35:02","slug":"alkohol-zunahmi-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2249","title":{"rendered":"Alkohol-Zunahmi (3)"},"content":{"rendered":"<p>In <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2228\">Teil 2<\/a> dieser Serie habe ich erkl\u00e4rt, dass die besten Wei\u00dfweintrauben aus unseren Weing\u00e4rten ohne \u00dcberreife noch niemals 14 Prozent Alkohol oder mehr ergeben haben. Und dass wir die Obergrenze unserer Rotweine von 13,5 Prozent h\u00e4ufiger durch Aufbesserung als durch entsprechend hohe Zuckergrade erreichen.<\/p>\n<p>Solche Aussagen sind\u00a0selten in der Weinbranche. Es w\u00fcrde mich daher nicht wundern, wenn der eine oder die andere zur Meinung gelangt, ich w\u00e4re diesbez\u00fcglich ein Einzelfall.<\/p>\n<p>Erkl\u00e4rungen daf\u00fcr g\u00e4be es ja genug:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Unsere Ertr\u00e4ge sind zu hoch!<\/strong><\/p>\n<p>Wie im zweiten Teil angedeutet, liegt es bei unseren leichtesten Wei\u00dfweinen tats\u00e4chlich an der h\u00f6heren Erntemenge. Aber angesichts von 1600 l\/ha (bzw. weniger einem halben Liter pro Stock) beim Cabernet Sauvignon 2009 kann man diesem Faktor wohl nicht die &#8222;Schuld&#8220; daran geben, dass er ohne Aufbesserung nur knapp 12,5 Prozent h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Und, weil das zugegebenerma\u00dfen ein extremer (wenn auch kein Einzel-)Wert ist: Auch bei unseren H\u00f6chstmengen f\u00fcr die rote Oberklasse von 3000 oder 4000 l\/ha kann man nicht wirklich von Massenweinbau reden.<\/p>\n<p><strong>Wir lesen unsere Trauben zu fr\u00fch!<\/strong><\/p>\n<p>Auch hier stimmt der Einwand f\u00fcr die leichten Wei\u00dfen. Bei allen anderen achten wir aber sehr darauf, dass die Trauben auch physiologisch reif sind. Wir verkosten Trauben, beurteilen die Konsistenz des Fruchtfleisches, zerbei\u00dfen Kerne, messen S\u00e4ure und pH-Wert.<\/p>\n<p>Der Experte von dem wir das vor einigen Jahren gelernt haben, war mit dem Reifezustand unserer Trauben auch im Vergleich mit vielen anderen Betrieben, die er beraten hat immer sehr zufrieden.<\/p>\n<p>Und weil die physiologische Reife der Trauben einer der wichtigsten Faktoren f\u00fcr die Lagerf\u00e4higkeit eines Weines ist, spricht auch die nicht nur von uns konstatierte positive Reifeentwicklung vieler unserer Weine dagegen.<\/p>\n<p><strong>Unsere Weing\u00e4rten sind in schlechtem Zustand!<\/strong><\/p>\n<p>Falsche Erziehungssysteme, schlampige Laubarbeit, Bodenbearbeitung, die zu Trockenstre\u00df f\u00fchrt und verschiedene Krankheiten und Sch\u00e4dlinge k\u00f6nnen die Zuckerbildung bremsen. Davon, dass sie das in unseren Weing\u00e4rten nicht tun, kann sich jeder selbst \u00fcberzeugen, seit wir unsere Weing\u00e4rten mit Namensschildern versehen haben.<\/p>\n<p>Davon abgesehen wirkt sich eine derart verz\u00f6gerte Traubenreife\u00a0nicht nur auf den Alkoholgehalt aus, sondern auch auf die Weinqualit\u00e4t. Und die kann bei uns angesichts zahlreicher guter Bewertungen nicht so schlecht sein.<\/p>\n<p><strong>Unsere Reben sind zu jung!<\/strong><\/p>\n<p>Ein Zusammenhang zwischen dem Alter der Rebst\u00f6cke und dem Zuckergehalt der Trauben (bzw. dem sp\u00e4teren Alkoholgehalt des Weines) w\u00e4re zwar durchaus naheliegend, hat sich in meiner Praxis aber noch nicht gezeigt.<\/p>\n<p>So ist es zum Beispiel auch schon vorgekommen, dass ein achtj\u00e4hriger Zweigelt-Weingarten bei vergleichbarem Ertrag ein h\u00f6heres Mostgewicht erbracht hat, als einer mit 35 Jahre alten Rebst\u00f6cken. Und auch die Zuckergrade unseres Cabernet sind heute\u00a0nicht h\u00f6her, als in den ersten Jahren nach der Auspflanzung vor knapp 20 Jahren.<\/p>\n<p><strong>Die Biodynamie verfr\u00fcht unsere physiologische Reife!<\/strong><\/p>\n<p>Von den Anh\u00e4ngern der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise wird gerne behauptet, diese Art des Weinbaues w\u00e4re der Schl\u00fcssel zu weniger Zucker (und damit Alkohol) in geschmacklich reifen Trauben.<\/p>\n<p>Abgesehen davon, dass ich daran (wie an so vieles dieser esoterischen Herangehensweise an meinen Beruf) nicht glauben kann, f\u00e4llt der kosmische Einflu\u00df als Grund f\u00fcr unsere moderaten Alkoholgehalte v\u00f6llig aus.<\/p>\n<p>Wir bewirtschaften unsere Weing\u00e4rten n\u00e4mlich nicht nach den Lehren Rudolf Steiners bzw. seiner J\u00fcnger, sondern nach den Richtlinien der kontrollierten integrierten Produktion. Und die sucht einen rationalen Mittelweg zwischen konventionellem und biologischem Weinbau, zwischen kommerziellen Erfordernissen und heren Idealen.<\/p>\n<p><strong>Unsere Rebsorten sind schuld!<\/strong><\/p>\n<p>Manche Traubensorten lagern w\u00e4hrend der Reife mehr Zucker in ihre Beeren ein, als andere. Und zugegeben, Sorten die auch in seri\u00f6ser Literatur als ausgesprochene Zuckerbildner beschrieben werden, fehlen in unseren Weing\u00e4rten. Wobei es nicht an dieser Eigenschaft liegt, dass wir keinen Merlot, keinen Grenache und keinen Pinot Noir anpflanzen.<\/p>\n<p>Da es aber auch jede Menge Blaufr\u00e4nkisch, Zweigelt und Cabernet Sauvignon mit deutlich h\u00f6heren Alkoholgehalten auf dem Markt gibt, als unsere, kann es wohl auch nicht an den Sorten liegen.<\/p>\n<p><strong>Wir verlieren zu viel Alkohol im Keller!<\/strong><\/p>\n<p>Zahlreiche Ma\u00dfnahmen der Kellerwirtschaft beeinflu\u00dfen den Alkoholgehalt. In unserem Fall kommt aber keine davon als Erkl\u00e4rung in Frage:<\/p>\n<p>Unsere Wei\u00dfweine verg\u00e4ren wir weder besonders warm, noch spontan oder nur bis zum Stadium halbtrocken. W\u00e4hrend all das n\u00e4mlich niedrigere Alkoholgehalte bedeuten w\u00fcrde, forcieren wir (aus anderen Gr\u00fcnden) genau das Gegenteil.<\/p>\n<p>Wir g\u00e4ren k\u00fchl (was die Verdunstung von Aroma wie Alkohol minimiert), \u00fcberwiegend mit Reinzuchthefen (die tendenziell mehr Alkohol aus dem vorhanden Zucker machen) und fast ausschlie\u00dflich zu trockenen Weinen (womit aus jedem Gramm Zucker auch tats\u00e4chlich Alkohol wird).<\/p>\n<p>Auch bei den Roten unterscheiden sich unsere G\u00e4rtemperaturen nicht von denen vieler anderer Winzer. Und im Vergleich zu manchen Kollegen reifen unsere Topweine deutlich k\u00fcrzer in F\u00e4ssern (was auch die Alkoholverdunstung w\u00e4hrend der Lagerung reduziert).<\/p>\n<p><strong>Uns fehlt einfach\u00a0das Zeug zum Top-Winzer!<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn mir keine mehr einfallen, m\u00f6chte ich nicht ausschlie\u00dfen, dass es noch andere nat\u00fcrliche Ursachen f\u00fcr die deutlich h\u00f6heren Alkoholgehalte bei zahlreichen Kollegen geben k\u00f6nnte. Wirklich glauben kann ich daran aber nicht.<\/p>\n<p>Warum w\u00e4re dann der (interne) Aufschrei auch von prominenten Winzern so gro\u00df gewesen, als der erste Entwurf der neuen EU-Weinmarktordnung ein generelles Verbot der Aufbesserung vorsah?<\/p>\n<p>Warum haben auch durchaus namhaften Kollegen (wiederum intern) gegen die im neuen \u00f6sterreichischen Weingesetz vorgesehene Alkoholobergrenze von 14 Prozent f\u00fcr aufgebesserte Rotweine protestiert und eine Anhebung auf 14,5 Prozent erreicht? Vor allem wo es doch f\u00fcr nicht aufgebesserte Weine ohnehin keine Obergrenze gibt.<\/p>\n<p>Und warum meinte dann ein Top-Produzent vor einigen Jahren, die (als schlechter Zuckerbildner bekannte) Sorte St. Laurent w\u00e4re bei einem Verbot der Aufbesserung tot?<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Ich kann daraus nur den Schlu\u00df ziehen, dass der Alkohol-Zunahmi keine unvermeidbare Folge des Strebens nach Qualit\u00e4t darstellt, auch wenn das immer wieder gerne so dargestellt wird.<\/p>\n<p>Welche Ursache haben dann aber die hohen und steigenden Alkoholgehalte? Meine Meinung dazu gibt es demn\u00e4chst im <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=2288\">vierten (und letzten) Teil<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Teil 2 dieser Serie habe ich erkl\u00e4rt, dass die besten Wei\u00dfweintrauben aus unseren Weing\u00e4rten ohne \u00dcberreife noch niemals 14 Prozent Alkohol oder mehr ergeben haben. 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