{"id":222,"date":"2007-04-30T20:44:15","date_gmt":"2007-04-30T19:44:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=222"},"modified":"2007-09-29T21:38:01","modified_gmt":"2007-09-29T20:38:01","slug":"beratung-im-weinbau-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=222","title":{"rendered":"Beratung im Weinbau (2)"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8222;Additive Oenologie&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ein Grund f\u00fcr den bereits in <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=218\">Teil 1<\/a> beschriebenen schlechten Ruf der Berater sind weitverbreitete (Vor-)urteile \u00fcber deren T\u00e4tigkeit. Viele Winzer (beratungsresistente, aber auch solche, die Beratung in Anspruch nehmen) und Weinkonsumenten sehen in den Beratern dubiose Wunderwuzzis, die mit allerlei Zaubertricks die Weine vor der Abf\u00fcllung &#8222;herrichten&#8220;.<\/p>\n<p>Der oenologische Berater <a href=\"http:\/\/www.schneider-oenologie.com\/html\/deutsch\/index.htm\">Volker Schneider<\/a> hat f\u00fcr diese, von gar nicht so wenigen Winzern und Beratern tats\u00e4chlich gepflegte Praxis den Begriff &#8222;additive Oenologie&#8220; erfunden, der den Kern der Sache recht gut trifft. Eine ausf\u00fchrliche Erkl\u00e4rung gibt es in diesem <a href=\"http:\/\/www.schneider-oenologie.com\/deutsch\/PDF\/Additive-Oenologie.pdf\">pdf<\/a>.<!--more--><\/p>\n<p>Die additive Oenologie ist bei Winzern wie Beratern recht beliebt, obwohl sie nicht immer zu berauschenden Ergebnissen f\u00fchrt. Der Winzer kann w\u00e4hrend der Ernte und des Weinausbaus tun und lassen was er m\u00f6chte. Das ist nat\u00fcrlich bequem, denn niemand redet ihm drein, keiner empfiehlt ihm w\u00e4hrend der ohnehin stressigen Lesezeit zus\u00e4tzliche T\u00e4tigkeiten und kein Fremder st\u00f6rt, wenn der Winzer das tut, was er immer schon so getan hat, weil man es halt so getan hat.<\/p>\n<p>Warum sollte er auch etwas \u00e4ndern? Schlie\u00dflich gibt es ja jede Menge &#8222;studierte&#8220; Berater von Kellereiartikelh\u00e4ndlern, Landwirtschaftskammern und sonstigen Institutionen, die ihm sp\u00e4ter gegen relativ geringes Entgelt genau die modernen Zusatzstoffe und Sch\u00f6nungsmittel empfehlen, mit denen er seine mittelm\u00e4\u00dfigen bis leicht fehlerhaften Weine auf Vordermann bringen kann. Und weil diese modernen Mittel so teuer sind, m\u00fcssen sie nat\u00fcrlich helfen. (In Wirklichkeit m\u00fcssen sie vor allem jenes Geld hereinbringen, da\u00df die Kellereiartikelfirmen mit dem absichtlich zu niedrig angesetzten Beraterhonorar verlieren.)<\/p>\n<p>Ein bi\u00dfchen Kupfer (gegen leichte B\u00f6ckser) hier, etwas gegen Gerbstoffe da, ein bi\u00dfchen Gummi arabicum oder Tannin f\u00fcr die bei den Behandlungen zwangsl\u00e4ufig veloren gegangene Mundf\u00fclle dort. So l\u00e4uft die Sache, erg\u00e4nzt durch eine kleine S\u00e4urekorrektur und abgerundet mit ein bi\u00dfchen S\u00fc\u00dfreserve.<\/p>\n<p><strong>Es geht aber auch anders<\/strong><\/p>\n<p>Mit seri\u00f6ser und langfristig sinnvoller Beratung hat das freilich nichts zu tun. Gute Berater unterst\u00fctzen den Kellermeister von Beginn der Weinwerdung an und agieren nach dem Motto &#8222;Vorbeugen ist besser als heilen&#8220;.<\/p>\n<p>Das erfordert nicht nur eine gute Arbeitsbasis zwischen Kellermeister und Berater, sondern auch eine zuverl\u00e4ssige Analytik (auf die der Berater bauen kann), eine regelm\u00e4\u00dfige Verkostung von der Lese, besser noch von der Traubenreife an (was regelm\u00e4\u00dfige Besuche des Beraters erfordert) und eine gute Kenntnis der spezifischen Sorten und Lagen sowie des Betriebsstiles (was eine entsprechende Einarbeitung des Beraters in diese Bereiche notwendig macht).<\/p>\n<p>Gute Berater arbeiten nicht nach Rezept und bewahren oder verst\u00e4rken sogar die Eigenheiten jedes ihrer Klienten. Sie helfen dem Kellermeister mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung w\u00e4hrend der Lesezeit die richtigen Entscheidungen zu treffen und die Schienen f\u00fcr die Entwicklung jedes Weines so zu legen, da\u00df es sp\u00e4ter keine oder nur geringf\u00fcgige Eingriffe mehr braucht. <\/p>\n<p>Da unabh\u00e4ngige Berater nicht am Verkauf von Behandlungsmitteln interessiert sind, betrachten sie diese (im Interesse der Weinqualit\u00e4t) als allerletzten Ausweg, wenn andere M\u00f6glichkeiten wie z.B. Bel\u00fcften, Hefeaufr\u00fchren oder das Verschneiden von sich erg\u00e4nzenden Chargen nicht mehr ausreichen.<\/p>\n<p>Diese Form der Beratung fordert vom Winzer und Kellermeister relativ viel Zeit und eine intellektuelle Auseinandersetzung mit den Empfehlungen des Beraters. Bequem ist das nicht, denn schlie\u00dflich gibt der Berater laufend Tipps, wie sich die Weinqualit\u00e4t noch weiter verbessern lie\u00dfe oder der jeweilige Jahrgang noch besser zu meistern w\u00e4re. Diese Empfehlungen, die auf wissenschaftlichen Studien und\/oder Erfahrungen in vergleichbaren Betrieben\/Jahren beruhen, wollen \u00fcberlegt, auf ihre Tauglichkeit \u00fcberpr\u00fcft und gegebenenfalls auch umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Die permanente Begleitung des Betriebes und das Fehlen von Verdienstm\u00f6glichkeiten im Behandlungsmittelverkauf macht diese Form der Beratung nat\u00fcrlich deutlich teurer als die &#8222;additive Oenologie&#8220;. Daf\u00fcr ist aber nicht nur die erreichbare Weinqualit\u00e4t h\u00f6her, sondern auch ein permanenter Lerneffekt f\u00fcr den Kellermeister gegeben.<\/p>\n<p>Im Idealfall arbeiten solche Berater auch nicht abgehoben von jeder wirtschaftlichen Realit\u00e4t. Sie haben bei ihren Empfehlungen daher auch die Kosten im Auge und zumindest ein fundiertes Grundwissen in Sachen Weinmarketing.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Additive Oenologie&#8220; Ein Grund f\u00fcr den bereits in Teil 1 beschriebenen schlechten Ruf der Berater sind weitverbreitete (Vor-)urteile \u00fcber deren T\u00e4tigkeit. Viele Winzer (beratungsresistente, aber auch solche, die Beratung in Anspruch nehmen) und Weinkonsumenten sehen in den Beratern dubiose Wunderwuzzis, die mit allerlei Zaubertricks die Weine vor der Abf\u00fcllung &#8222;herrichten&#8220;. Der oenologische Berater Volker Schneider &#8230; <a title=\"Beratung im Weinbau (2)\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=222\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Beratung im Weinbau (2)\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[],"class_list":["post-222","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sonstige-weinberichte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=222"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/222\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}