{"id":218,"date":"2007-04-21T20:50:00","date_gmt":"2007-04-21T19:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=218"},"modified":"2007-04-21T20:54:25","modified_gmt":"2007-04-21T19:54:25","slug":"beratung-im-weinbau-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=218","title":{"rendered":"Beratung im Weinbau (1)"},"content":{"rendered":"<p>Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie die T\u00e4tigkeit von Beratern in der Weinbranche. Aus <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=214#comments\">aktuellem Anla\u00df<\/a> m\u00f6chte ich in n\u00e4chster Zeit meine Sicht der Dinge dazu darstellen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Warum Berater?<\/strong><\/p>\n<p>Wie in allen Branchen ist auch im Weinbereich die Sinnhaftigkeit externer Beratung nicht unumstritten. Viele Winzer (und nicht nur schlechte) erweisen sich als erstaunlich beratungsresistent und klassifizieren die Beratung mit S\u00e4tzen wie<\/p>\n<blockquote><p>Was soll mir ein Berater von irgendwoher Neues \u00fcber meine Weing\u00e4rten und meine Weine erz\u00e4hlen, die ich seit Jahrzehnten kenne?<\/p>\n<p>Wir lassen nicht denken, wir denken selbst!<\/p>\n<p>Mein Wein ist auch Ausdruck meiner Pers\u00f6nlichkeit. Mit einem Berater, der auch f\u00fcr andere Winzer t\u00e4tig ist, w\u00fcrden meine Weine an Eigenst\u00e4ndigkeit verlieren.<\/p>\n<p>Berater, die f\u00fcr mehrere Winzer t\u00e4tig sind, k\u00f6nnen allein aus Zeitgr\u00fcnden die Entwicklung meines Weines nie vollst\u00e4ndig erfassen. Ihre T\u00e4tigkeit mu\u00df sich daher zwangsl\u00e4ufig auf punktuelle, kosmetische Ma\u00dfnahmen beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Berater sind Leute, die einem erst die Uhr abnehmen, um einem dann f\u00fcr teures Geld zu sagen, wie sp\u00e4t es ist.<\/p>\n<p>Internationale Berater uniformieren die Weine und k\u00f6nnen keine an die regionalen Gegebenheiten angepa\u00dften Ratschl\u00e4ge geben.<\/p>\n<p>Oenologische Beratung hat ihren Schwerpunkt in der Anwendung neuer und\/oder umstrittener Technologien, die ich als Winzer gruns\u00e4tzlich ablehne.<\/p>\n<p>Berater erfahren im Lauf der Zusammenarbeit viele Betriebsgeheimnisse, die vielleicht auch anderen Winzern zugute kommen k\u00f6nnten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch wenn viele dieser Argumente einen wahren Kern haben, ist gute Beratung gerade in der Weinproduktion eine unersetzbare M\u00f6glichkeit zur Qualit\u00e4tsverbesserung. Ohne Beratung beschr\u00e4nkt sich die M\u00f6glichkeit zur Verbesserung der Weinqualit\u00e4t, zur besseren Anpassung an den Markt und\/oder zur an den jeweiligen Jahrgang besser angepa\u00dften Vinifikation auf die eigenen Erfahrungen und die von guten Winzerkollegen, denen man auch wirklich vertrauen kann.<\/p>\n<p>Dieser Erfahrungsschatz ist zwar sehr reichhaltig, w\u00e4chst aber nur sehr langsam. Allein aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden mu\u00df sich die Experimentierfreude des Winzers in Grenzen halten, und jedes Jahr bietet normalerweise nur eine Ernte, um neue Erfahrungen zu sammeln, oder bereits gemachte zu verifizieren.<\/p>\n<p>Gute Berater st\u00fctzen ihre Erfahrungen hingegen auf eine breite wissenschaftliche Basis und auf die T\u00e4tigkeit in mehreren Betrieben. Damit kann der Berater helfen Fehler zu vermeiden, die sich bei einem anderen Betrieb erst im Nachhinein als solche herausgestellt haben.<\/p>\n<p><strong>Berater und die \u00f6ffentliche Meinung<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die meisten Berater still im Hintergrund als zur\u00fcckhaltende Helfer der Weinbauern und Kellermeister agieren, suchen einige wenige Angeh\u00f6rige dieser Zunft eine breite Medien\u00f6ffentlichkeit. Aus eigenem Antrieb oder auf Betreiben der Weing\u00fcter, die sie engagiert haben, wird ihr Name wie eine Art Qualit\u00e4tssiegel in jeder Betriebsinformation erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Kann ein Weingut darauf verweisen, da\u00df es zum Beispiel von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michel_Rolland\">Michel Rolland<\/a> beraten wird, f\u00fchrt das zu einem starken Echo bei Weinkonsumenten und Journalisten. Der wirtschaftliche Erfolg eines solchen Engagements ist beinahe garantiert, denn fast immer sind hohe Weinbewertungen der internationalen Weinp\u00e4pste und ein entsprechend hoher Weinpreis die Folge.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund wird den wenigen internationalen Star-Beratern auch vorgeworfen, unabh\u00e4ngig von Herkunft und Betrieb einen ganz bestimmten Weinstil zu forcieren, der bei Bewertungen hoch bepunktet wird.<\/p>\n<p>Wenn man wei\u00df, welche Weine in Blindverkostungen meist vorne landen und wenn man den Erfolgsdruck, dem diese Berater ausgesetzt sind zumindest erahnen kann, l\u00e4\u00dft sich der Vorwurf der Uniformierung auf hohem Niveau in manchen F\u00e4llen durchaus nachvollziehen.<\/p>\n<p>Agieren die Berater vor der Kamera dann auch noch so unsympatisch wie Michel Rolland und treffen auf einen Filmemacher, der unabh\u00e4ngig von der Beratungswirklichkeit vor allem seine Sicht der Weinwelt propagieren m\u00f6chte und daf\u00fcr einen &#8222;Bad Guy&#8220; braucht, entstehen Machwerke wie der Film <a href=\"http:\/\/www.filmstarts.de\/produkt\/38690,Mondovino.html\">Mondovino<\/a>.<\/p>\n<p>Diskussionen wie <a href=\"http:\/\/www.talk-about-wine.de\/topic.asp?TOPIC_ID=1410\">diese<\/a> zeigen, da\u00df Mondovino die latent vorhandenen Vorurteile gegen Berater in der Weinwirtschaft bei vielen Weinfreaks zu einem wenig schmeichelhaften Urteil verfestigt hat.<\/p>\n<p>Dabei ist Beratung, auch die von Michel Rolland, weit differenzierter als sie im Film dargestellt wurde, und es braucht immer auch einen Weingutsbesitzer, der bereit ist, die Empfehlungen des Beraters umzusetzen. Den Beratern die alleinige &#8222;Schuld&#8220; umzuh\u00e4ngen ist also nicht gerade fair.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie die T\u00e4tigkeit von Beratern in der Weinbranche. 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