{"id":217,"date":"2007-04-19T21:48:00","date_gmt":"2007-04-19T20:48:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=217"},"modified":"2007-04-19T21:54:59","modified_gmt":"2007-04-19T20:54:59","slug":"capreolus-capreolus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=217","title":{"rendered":"Capreolus capreolus"},"content":{"rendered":"<p>Unter diesem unscheinbaren Doppelnamen verbirgt sich der um diese Jahreszeit gef\u00e4hrlichste Sch\u00e4dling der Weinrebe: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reh\">Das Reh<\/a>.<\/p>\n<p>Bis vor wenigen Jahren war das Reh in unseren Ertragsweing\u00e4rten kein wirklich gef\u00e4hrlicher Gegner. Wildfra\u00df von Rehen und Hasen gab es nur an bodennahen, neugepflanzten Reben im ersten oder zweiten Standjahr.<\/p>\n<p>Aber seit Mitte der 1990er stellt der Fra\u00dfschaden, den die Rehe in Ertragsweing\u00e4rten an den austreibenden Knospen hervorrufen eine ernstzunehmenden Schaden dar.<!--more--><\/p>\n<p>Die Rehe lieben die jungen Triebe und Bl\u00e4tter. Dort wo sie nachts fressen, bleiben an den Fruchtb\u00f6gen meist nur kurze Stummel der gr\u00fcnen Triebe zur\u00fcck. Der Rebstock treibt nach einem derartigen Schaden zwar erneut aus, aber die Triebe aus den sogenannten Beiaugen haben meist keine Trauben und sind wegen ihres Vegetationsr\u00fcckstandes f\u00fcr eine neuerliche Fra\u00dfattacke sehr anf\u00e4llig.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend n\u00e4mlich die unbesch\u00e4digten Triebe rasch weiterwachsen und damit in wenigen Wochen aus der Gefahrenzone sind (die Rehe sind Feinspitze und bevorzugen die Triebspitzen), hinken die Triebe aus den Beiaugen im Wachstum hinterher und sind auch noch Ende Mai f\u00fcr die Rehe erreichbar.<\/p>\n<p><strong>Rehe sind w\u00e4hlerisch!<\/strong><\/p>\n<p>Nicht alle unsere Weing\u00e4rten werden von den Rehen in Mitleidenschaft gezogen. Besonders betroffen sind solche, die<\/p>\n<li>am Waldrand und\/oder an besonderen Wildwechseln liegen.<\/li>\n<li>die eine qualit\u00e4tsf\u00f6rdernde niedrigere Erziehungsform aufweisen. Offensichtlich sind die Rehe sehr bequeme Tiere und nehmen ihr Abendessen am liebsten ohne sich b\u00fccken oder strecken zu m\u00fcssen zu sich.<\/li>\n<li>mit fr\u00fchaustreibenden Sorten bepflanzt sind. Bis endlich der sp\u00e4te Cabernet aus den Knospen kommt, gibt es wohl genug andere schmackhafte Nahrung f\u00fcr die Tiere. Den fr\u00fchen Blaufr\u00e4nkisch (und andere), lassen sich die Rehe aber nicht gerne entgehen.<\/li>\n<p><strong>Was tun?<\/strong><\/p>\n<p>Neben dem Wildern (um den \u00fcberh\u00f6hten Rehbestand zu normalisieren) gibt es auch andere Bek\u00e4mpfungsstrategien:<\/p>\n<li>Schutzz\u00e4une aus Maschendraht oder elektrische Weidez\u00e4une bieten wahrscheinlich den besten Schutz. Wirklich einsetzbar sind sie aber nur bei relativ gro\u00dfen und eher isoliert liegenden Parzellen. In unserem Fall ist eine Einz\u00e4unung unserer Weing\u00e4rten oder ganzer Rieden nicht durchf\u00fchrbar.<\/li>\n<li>Ein sp\u00e4tes Anbinden der Fruchtruten f\u00fchrt dazu, da\u00df diese w\u00e4hrend der gef\u00e4hrlichen Phase nicht waagrecht in optimaler H\u00f6he, sondern senkrecht und damit zum Teil zu hoch f\u00fcr die Tiere sind. Da die Rehe zumindest die oberen Knospen nicht erreichen k\u00f6nnen, l\u00e4\u00dft sich der Schaden so verringern. Daf\u00fcr ist das sp\u00e4te Anbinden der schon deutlich ausgetriebenen Fruchtruten eine sehr heikle Sache. Oft brechen dabei mehr junge Triebe ab, als die Rehe wahrscheinlich gefressen h\u00e4tten.<\/li>\n<li>Mit verschiedenen Duftquellen lassen sich die Rehe mehr oder weniger zuverl\u00e4ssig aus dem Weingarten fernhalten. Manche Winzer schw\u00f6ren auf Menschenhaare, andere auf Schaffelle, wieder andere auf L\u00f6sungen, die stark nach Rauch und Teer riechen. Relativ wirksam, wenn auch nur sehr kurzlebig sind parf\u00fcmierte Harnsteinl\u00f6serkugeln in alten Damenstr\u00fcmpfen. Und der Gestank von schlecht verrottetem, vermoderndem Kompost wird von Rehen auch eine Zeit lang gemieden.<\/li>\n<li>Seit einigen Jahren bek\u00e4mpfen wir die Rehe aber nicht mehr mit diesen indirekten Methoden sondern direkt beim Fressen. Dazu bespr\u00fchen wir die Reben mit einem sogenannten Repellent, dem Wildverbi\u00dfmittel <a href=\"http:\/\/www.oekogold.at\/weinbau.htm\">Trico<\/a>.\n<p>Das Bespr\u00fchen der jungen Rebtriebe mit Trico ist f\u00fcr die Rehe v\u00f6llig ungef\u00e4hrlich, macht aber die Reben f\u00fcr die Tiere \u00e4u\u00dferst unschmackhaft. Der Lerneffekt f\u00fchrt au\u00dferdem dazu, da\u00df es doch einige Zeit dauert, bis ein Reh erneut versucht, Rebtriebe zu fressen, was auch unbehandelte Weinst\u00f6cke in gewissem Umfang vor Fra\u00df sch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Je nach Wachstumsgeschwindigkeit der Reben und Witterung reichen ein oder zwei Behandlungen (im Abstand von zwei bis drei Wochen) aus, um die jungen Triebe durch die gef\u00e4hrliche Phase zu bringen. Sind sie Triebspitzen erst einmal weit genug nach oben gewachsen, knabbern die Rehe nur noch vereinzelt an den Bl\u00e4ttern. Und das k\u00f6nnen wir verschmerzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter diesem unscheinbaren Doppelnamen verbirgt sich der um diese Jahreszeit gef\u00e4hrlichste Sch\u00e4dling der Weinrebe: Das Reh. Bis vor wenigen Jahren war das Reh in unseren Ertragsweing\u00e4rten kein wirklich gef\u00e4hrlicher Gegner. 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