{"id":1953,"date":"2009-11-01T00:24:17","date_gmt":"2009-10-31T22:24:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1953"},"modified":"2009-11-01T00:43:00","modified_gmt":"2009-10-31T22:43:00","slug":"denkwurdige-jahrgange-1992","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1953","title":{"rendered":"Denkw\u00fcrdige Jahrg\u00e4nge: 1992"},"content":{"rendered":"<p>Der Jahrgang 1992 ist sehr einfach zu beschreiben: Der Sommer war hei\u00df und trocken, sehr sehr trocken. Von Anfang Juli an fiel bis Mitte oder Ende August kein nennenswerter Regen.<\/p>\n<p>Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir Woche f\u00fcr Woche auf eine Schlechtwetterfront gehofft haben, um dann immer wieder zu erleben, dass sich diese Westfronten in den Alpen abregnen und gar nicht bis ins Burgenland durchdringen.<\/p>\n<p>Nun sind trockene Jahre an sich zwar nichts Ungew\u00f6hnliches in der pannonischen Klimazone. Es gab sie vor 1992 ebenso (z.B. 1983), wie danach (z.B. 1994, 2000 und\u00a02003), und manche davon waren sogar noch hei\u00dfer und\/oder trockener.<\/p>\n<p>Trotzdem war 1992 ein besonderes Hitzejahr. Es war n\u00e4mlich das erste in der\u00a0&#8222;modernen&#8220; Wei\u00dfwein\u00e4ra, die mehr Wert auf Fruchtigkeit, S\u00e4urestruktur und Eleganz und weniger auf \u00dcberreife, \u00dcppigkeit und\u00a0deutlichen Restzuckergehalt legt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Obwohl sie sich\u00a0in Sachen Weinstil deutlich umorientiert hatten,\u00a0definierten die allermeisten Weinbauern damals <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=56\">die\u00a0Traubenreife<\/a> weiterhin ausschlie\u00dflich \u00fcber den Zuckergehalt der Trauben. In den k\u00fchlen oder halbwegs normalen Jahren von 1985 bis 1991 war das kein Problem, weil der S\u00e4uregehalt, der f\u00fcr trockene, &#8222;moderne&#8220; Wei\u00dfweine eine gro\u00dfe Rolle spielt, in einer vern\u00fcnftigen Relation zu den Zuckergraden stand.<\/p>\n<p>Im Hitzejahrgang 1992 konnten die Reben aber deutlich weniger S\u00e4ure in die Trauben einlagern. Das f\u00fchrte dazu, dass viele (wenn nicht sogar die meisten) Wei\u00dfweine aus Freude \u00fcber die hohen Zuckergrade zu sp\u00e4t gelesen wurden. Die S\u00e4urewerte waren nicht selten zu niedrig, um die Weine noch harmonisch und balanciert schmecken zu lassen.<\/p>\n<p>Manche Kollegen haben schnell aus ihrem damaligen Fehler gelernt, andere haben noch mehr oder weniger viele Wiederholungen bis zur Einsicht gebraucht, und einige wenige k\u00f6nnen bis heute nicht mit solchen Jahrg\u00e4ngen umgehen.<\/p>\n<p>Da die Rotweine prim\u00e4r vom Tannin und nicht von der S\u00e4ure strukturiert werden, sind sie von diesem Ph\u00e4nomen nicht wirklich betroffen. Nach einzelnen Pionieren in den 1980ern gewann die burgenl\u00e4ndische Rotweinevolution ab etwa 1990 deutlich an Breite und 1992 war eines der ersten Jahre, mit einer nennenswerten Anzahl an hochwertigen (oder in manchen F\u00e4llen zumindest damals f\u00fcr hochwertig gehaltenen) Weinen.<\/p>\n<p>Viele Weinbauern konnten aber auch mit ihren Rotweinen nicht wirklich re\u00fcssieren. Gab es doch im\u00a0August 1992 viele Weing\u00e4rten, die massiv und deutlich sichtbar unter der Trockenheit litten. Vor allem \u00a0junge Rebst\u00f6cke und\/oder solche, die mit zu vielen Trauben belastet waren, zeigten vergilbte Bl\u00e4tter und schlecht entwickelte notreife Trauben.<\/p>\n<p>Die Agrarpolitik reagierte darauf mit einer Notleseaktion, bei der jene Winzer Geld erhielten, die ihre Trauben zur Entlastung der Reben im August von den St\u00f6cken schnitten und in den Boden einarbeiteten. Dabei ging es aber weniger um die Rettung der leidgeplagten Weinbauernschaft vor den Unbillen des Wetters, als um die damit auch verbundene Entlastung des damals recht angespannten Weinmarktes und um die Milderung der Folgen des Strukturwandels im Weinbau.<\/p>\n<p>Unsere Weing\u00e4rten waren im Sommer 1992 auch aus der Ferne leicht zu erkennen. Im Unterschied zu den meisten anderen war ihr Laub n\u00e4mlich auch nach Wochen ohne Regen noch auffallend dunkelgr\u00fcn. Woran das lag (und warum unsere Reben bis heute weniger sensibel auf Trockenperioden reagieren), kann ich nur vermuten. Neben dem Ertragsniveau spielt dabei sicher unsere schonende und humusf\u00f6rdernde Bodenbearbeitung eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p>Aber nicht nur deshalb waren wir auch mit den Wei\u00dfweinen damals sehr zufrieden. Im Gegensatz zu vielen Kollegen hat mein Vater die Ernte auch fr\u00fch genug angesetzt, um den richtigen Lesetermin nicht zu verpassen. Dabei sind ihm seine Erfahrungen von 1983 zu gute gekommen, als er sich in einem vergleichbaren Jahr schon einmal dazu entschlossen hatte, zwei Wochen vor allen anderen im Ort zu ernten. Und sich im Nachhinein beim Verkosten seiner Weine in seiner Entscheidung best\u00e4tigt sah.<\/p>\n<p>Vor allem der Pinot blanc und die beiden Chardonnay-Varianten (&#8222;normal&#8220; und Barrique) z\u00e4hlten sicherlich zu den besten ihrer Art in unserem Betrieb, und sie w\u00fcrden es vielleicht auch noch heute tun, wenn wir einwandfreie Flaschen auf Lager h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Eine problematische Korklieferung hat aber (gemeinsam mit einer nicht ganz einwandfreien Korkmaschine) dazu gef\u00fchrt, dass die allermeisten Flaschen unserer Wei\u00dfweine nicht dicht waren. Deshalb mu\u00dften wir schon bald nach der F\u00fcllung viele Flaschen neu verkorken, was ihrem langfristigen Reifepotential sicher nicht zutr\u00e4glich war.<\/p>\n<p>In unsere Vinothek haben wir aus diesem Grund ausschlie\u00dflich original verkorkte Flaschen eingelagert, die sich bis dahin als dicht erwiesen hatten. Wie wir aber heute wissen, waren sie nicht dicht, sondern nur nicht ganz so undicht wie die anderen, und schon nach wenigen Jahren war\u00a0auch in unserer Vinothek kaum noch eine Flasche mit brauchbarem F\u00fcllniveau zu finden.<\/p>\n<p>Die Rotweine kamen zum Gl\u00fcck sp\u00e4ter in die Flasche und wurden deshalb mit einer anderen Korkcharge (und wahrscheinlich auch einer reparierten Maschine) verschlossen. Da wir vom Zweigelt damals nur einen Ros\u00e9 gekeltert haben, beschr\u00e4nkte sich unsere Palette bis 1991 auf den Blaufr\u00e4nkisch, von dem es 1990 erstmals auch eine Barrique-Variante gab.<\/p>\n<p>1992 stand die erste Ernte unseres ersten Cabernet-Weingartens an, und ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mich im Internat der Weinbauschule Klosterneuburg dar\u00fcber ge\u00e4rgert habe, dass sich mein Vater bei der Lese spontan dazu entschlossen hatte, die Cabernet Trauben nicht reinsortig auszubauen.<\/p>\n<p>Aus einer Intuition heraus (und wohl auch aufgrund der kleinen Menge) hatte er sie gemeinsam mit unseren besten Blaufr\u00e4nkisch-Trauben eingemaischt, sodass es von Anfang an nur einen gemischtsortigen Wein (im Unterschied zu einer sp\u00e4ter verschnittenen Cuv\u00e9e) gab.<\/p>\n<p>Nach den ersten vielversprechenden Verkostungen war mein \u00c4rger bald vergessen, und wir alle waren sehr stolz auf unsere &#8222;Alten Rieden&#8220;, wie wir den Wein nach\u00a0rund einem Jahr in Barriques genannt haben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00fcrden wir heute einiges anders machen als damals. Ganz verkehrt kann unsere Rotweinvinifikation aber schon 1992 nicht gewesen sein, denn sonst w\u00fcrde\u00a0sich dieser Wein wohl heute, 17 Jahre danach, nicht so pr\u00e4sentieren, wie er das heute Mittag in meinem Glas getan hat.<\/p>\n<p>Dass es sich dabei nicht um eine Ausnahmeflasche gehandelt hat, zeigt <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=228\">dieser Blog-Beitrag vom Mai 2007<\/a>, in dem es auch n\u00e4here Infos \u00fcber den Wein zu lesen gibt. Als Folge dieses Beitrages ging damals \u00fcbrigens eine Flasche Alte Rieden 1992 nach Deutschland und wurde auch von unbefangenen Verkostern durchaus positiv beurteilt, wie man <a href=\"http:\/\/www.talk-about-wine.de\/topic.asp?TOPIC_ID=3109&amp;whichpage=3\">hier<\/a> und auf der Folgeseite nachlesen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Jahrgang 1992 ist sehr einfach zu beschreiben: Der Sommer war hei\u00df und trocken, sehr sehr trocken. 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