{"id":170,"date":"2007-02-14T23:33:46","date_gmt":"2007-02-14T22:33:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=170"},"modified":"2007-02-14T23:39:06","modified_gmt":"2007-02-14T22:39:06","slug":"gusto-und-ohrfeigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=170","title":{"rendered":"Gusto und Ohrfeigen&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>sind verschieden, sagt die Redewendung. Und der unterschiedliche Gusto der Weinmedien erteilt dem Winzer gelegentlich publizistische Ohrfeigen. <!--more--><\/p>\n<p>So wie heute die Weinzeitschrift <a href=\"http:\/\/www.vinaria.at\/\">VINARIA<\/a>. Die bewertet in ihrer aktuellen Ausgabe unseren Cabernet Sauvignon 2004 mit (vornehm ausgedr\u00fcckt) bescheidenen 14,5 Punkten (&#8222;gut&#8220;) und beschreibt ihn folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>Etwas Holzkohle vom dunklen Fa\u00dfbrand, streng und verschlossen, leicht selchig; erneut sp\u00e4rliche Frucht, hart und etwas verbrannt erscheinend, feurig und unentwickelt, (noch) zu wenig Balance.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nicht das unser 2004er Cabernet ein Wein von absoluter Weltspitzenklasse w\u00e4re, aber einigerma\u00dfen verbl\u00fcfft hat mich diese Einsch\u00e4tzung doch. Schlie\u00dflich wurde der gleiche Wein erst vor wenigen Monaten mit 92 Punkten (&#8222;ausgezeichnet&#8220;) zum Sortensieger der <a href=\"http:\/\/www.falstaff.at\/\">FALSTAFF<\/a>-Rotweinpr\u00e4mierung gek\u00fcrt:<\/p>\n<blockquote><p>Tiefdunkles Rubingranat mit opakem Kern, violette Reflexe. In der Nase feine Cassisankl\u00e4nge, dunkles Beerenkonfit, Nougat, s\u00fc\u00dfe Holzw\u00fcrze, einladendes Bukett. Am Gaumen saftige Frucht, elegant strukturiert, feines Tanninkleid, das dem Wein ein starkes R\u00fcckgrat verleiht, bleibt gut haften, dunkle Beeren und Schokolade im Nachhall, gutes Entwicklungspotential.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.alacarte.at\/\">A LA CARTE<\/a> sah ihn im Sommer hingegen nur bei 87 Punkten. (Zufall oder nicht: Der A-la-Carte-Verkoster sitzt auch in der Vinaria-Jury.)<\/p>\n<blockquote><p>Ein wenig diffus, etwas bl\u00e4ttrig-bittrige Nase; herzhaft-kernige Cabernetfrucht, festes Tannin, extrem jung, derzeit noch kein Vergn\u00fcgen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nur wenige Wochen davor notierte FALSTAFF in seinem Weinguide hingegen 91 Punkte (&#8222;ausgezeichnet&#8220;):<\/p>\n<blockquote><p>Tiefdunkles Rubingranat, fast opake Farbe, violette Reflexe, zarter Wasserrand. In der Nase feiner Nougat, ein Hauch von Cassis, zarte Karamells\u00fc\u00dfe, sehr einladend. Am Gaumen elegant und harmonisch, zeigt eine gute Balance, festes Tanninkleid, das eine gute St\u00fctze gibt, ein vielseitiger Speisenbegleiter mit gutem Reifepotential.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und beinahe zeitgleich erschien auch der VINARIA-Jungweinatlas, in dem ein anderer Vinaria-Autor den Wein sogar als &#8222;Tipp&#8220; empfiehlt:<\/p>\n<blockquote><p>Enorm tiefe Farbe; Lakritzen, Eukalyptus und schwarzer Pfeffer bestimmen die W\u00fcrze des Buketts, dahinter lugt Waldbeerfrucht hervor; dicht und engmaschig am Gaumen, sch\u00f6nes Volumen, verstr\u00f6mt tintige W\u00fcrze und einen Hauch von Tintenblei, viel Schmelz und mutige Tannine, weitaus h\u00e4rter als die vorgenannten Rotweine, schlie\u00dft an den hervorragenden 2003er an.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein \u00e4hnliches Auf und Ab erlebten wir auch beim Cabernet 2003. Es begann im April 2005 mit geradezu inferioren 81,25 Punkten bei der Burgenl\u00e4ndischen Landesweinpr\u00e4mierung (die auch die Vorauswahl f\u00fcr den \u00d6sterreichischen Weinsalon darstellt).<\/p>\n<p>Bald darauf ging es aber aufw\u00e4rts mit einer vielversprechenden (aber nicht mehr auffindbaren) Beschreibung im VINARIA-Jungweinguide und 90 Punkten (&#8222;ausgezeichnet&#8220;) im FALSTAFF-Weinguide:<\/p>\n<blockquote><p>Tiefdunkles Rubingranat, fast opake Farbe, violette Reflexe, in der Nase feines Brombeerkonfit, zarter Nougat, feine Holzw\u00fcrze, am Gaumen stoffig, elegant, feine Beerenfrucht, bleibt gut haften, harmonischer Speisenbegleiter.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie der 2004er erhielt auch schon der 2003er im Sommer von A LA CARTE mit 88 Punkten keine besondere Note und eine wenig wohlwollende Beschreibung:<\/p>\n<blockquote><p>Saftiger Fruchtbiss, s\u00fc\u00dfe Cassisnoten, runde Frucht, aber hintendrein peitscht das Tannin. <\/p><\/blockquote>\n<p>Daf\u00fcr ging es im Herbst dann steil bergauf. Im FALSTAFF-Rotweinguide reichte es zwar nicht ganz zum Sortensieg, aber immerhin zu 91 Punkten (&#8222;ausgezeichnet&#8220;) und einer tollen Beschreibung:<\/p>\n<blockquote><p>Tiefdunkles rubingranat, fast schwarz, violette Reflexe, zarte Randaufhellung. In der Nase sehr feine reife Beerenfrucht, D\u00f6rrzwetschken im Hintergrund. Am Gaumen intensive schwarze Johannisbeeren, kraftvolle Tannine, sehr lange anhaltend, tolle Zukunft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und anders als beim 2004er stimmte beim 2003er auch VINARIA gegen Ende des Jahres mit 17,9 Punkten (&#8222;ausgezeichnet&#8220;) in die Lobeshymmnen ein:<\/p>\n<blockquote><p>Ungew\u00f6hnlich komplex, Granat\u00e4pfel, Zimt, Kaffee, reich und facettiert; fruchttief und extrakts\u00fc\u00df, gro\u00dfer Bogen, saftig, doch nie \u00fcberladen, vereint Kraft mit Eleganz, wunderbare Persistenz, Zukunft.<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Was kann man daraus lernen?<\/strong><\/p>\n<li>Das die Probenreihenfolge und der Verkostungszeitpunkt einen gro\u00dfen Einflu\u00df auf das Urteil auch der Profis hat?\t<\/li>\n<li>Das auch bei Profis Flaschenfehler nicht immer als solche erkannt werden?<\/li>\n<li>Das sich auch Profis mitunter relativ stark von ihren pers\u00f6nlichen Geschmacksvorlieben leiten lassen?<\/li>\n<p>Ich habe keine Ahnung! Ich freue mich einfach \u00fcber jede gute Bewertung und versuche, angesichts solcher Erlebnisse die schlechten nicht zu ernst zu nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>sind verschieden, sagt die Redewendung. 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