{"id":1657,"date":"2009-08-18T00:16:06","date_gmt":"2009-08-17T22:16:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1657"},"modified":"2009-08-18T00:23:34","modified_gmt":"2009-08-17T22:23:34","slug":"die-unendliche-geschichte-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1657","title":{"rendered":"Die unendliche Geschichte (6)"},"content":{"rendered":"<p>Neben einigen <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1611\">Chancen<\/a> ergibt sich aus der Einf\u00fchrung von herkunftsbezeichneten Weintypen, d.h. der konkreten Umsetzung des DAC-Konzeptes nat\u00fcrlich auch die eine oder andere Schwierigkeit:<\/p>\n<p><strong>Problemfelder<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Verwirrung beim Konsumenten<\/span><\/p>\n<p>Da sich die heimischen Weingremien dazu entschlossen haben, das herkunftsbetonte Weinbezeichnungssystem parallel zum bisherigen eher sortenbezogenen System einzuf\u00fchren, bringen die DAC-Weine nicht wirklich eine Vereinfachung f\u00fcr den Konsumenten.<\/p>\n<p>In der Praxis werden sie meist als Weine aus der Sorte XY pr\u00e4sentiert, die in Form des DAC eine Art zus\u00e4tzliches G\u00fctesiegel erhalten haben, weil man Sinn und Hintergrund von DAC-Weinen auch interessierten Weinfreunden nicht ernsthaft mit wenigen Worten erkl\u00e4ren kann.<\/p>\n<p>Das sch\u00f6nste Beispiel daf\u00fcr ist die nicht selten geh\u00f6rte Bezeichnung &#8222;DACK-Veltliner&#8220;, die das wichtigste Element des neuen Weinbezeichnungssystems, die Herkunft\u00a0n\u00e4mlich (z.B. Weinviertel DAC) v\u00f6llig ausspart. <!--more--><\/p>\n<p>Dabei war es f\u00fcr Otto Normalweintrinker noch relativ einfach, solange es mit dem Weinviertel nur ein Weinbaugebiet mit DAC-Wein gab. Als auch andere Regionen damit begannen, DAC-Weine zu etablieren, war die Verwirrung gro\u00df, warum dieser vermeintlich typisch weinviertlerische Begriff auch anderswo verwendet wird. Ja es waren sogar Stimmen zu vernehmen, die meinten zwei oder\u00a0drei DAC\u00b4s in \u00d6sterreich w\u00e4ren genug.\u00a0Wirkliches Begreifen der\u00a0Materie sieht anders aus&#8230;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Kompliziertere Etiketten<\/span><\/p>\n<p>Wenig hilfreich ist es f\u00fcr den Konsumenten nat\u00fcrlich auch, wenn die verschiedenen Weinbaugebiete sehr unterschiedlich mit der DAC-Bezeichnung umgehen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend n\u00e4mlich &#8222;Weinviertel DAC&#8220; in der Regel relativ prominent auf dem Etikett platziert und &#8222;Mittelburgenland DAC&#8220; auch noch halbwegs kommuniziert wird, verstecken die Produzenten von &#8222;Kremstal DAC&#8220;, &#8222;Kamptal DAC&#8220; und &#8222;Traisental DAC&#8220; ihre Herkunftsangaben nicht selten im Kleingedruckten.<\/p>\n<p>Erstere versuch(t)en auch zumindest ansatzweise die Sortenbezeichnung auf dem Etikett in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen, wie das dem Grundgedanken des romanischen Weinrechtes entspricht, und damit der Idee von der Etikettenvereinfachung Rechnung zu tragen.<\/p>\n<p>Die drei letztgenannten DAC-Weine basieren aber jeweils auf den beiden Sorten Gr\u00fcner Veltliner und Riesling und kommen daher auch beim besten Willen nicht ohne Sortenangabe auf dem Etikett aus. Anstatt die Etiketten mit dem neuen Bezeichnungssystem zu entr\u00fcmpeln, f\u00fchrt diese Tatsache zu zus\u00e4tzlichen Angaben (&#8222;DAC&#8220;, &#8222;Reserve&#8220;), ohne dass daf\u00fcr irgend eine bisherige Angabe wegf\u00e4llt bzw. wegfallen mu\u00df.<\/p>\n<p>Und dass es neben den DAC-Weinen selbstverst\u00e4ndlich auch weiterhin andere Weine aus den gleichen Sorten mit Sortenangabe, Orts- und Riedenbezeichnung (unter den gro\u00dfen Weinbaugebieten &#8222;Nieder\u00f6sterreich&#8220;, &#8222;Burgenland&#8220; etc.) m\u00f6glicherweise sogar vom gleichen Produzenten gibt, sei hier nur am Rande erw\u00e4hnt&#8230;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Auslegungssache<\/span><\/p>\n<p>Auch in der Auslegung der Grundidee gehen die DAC-Gebiete recht unterschiedliche Wege. W\u00e4hrend im Weinviertel (zumindest bisher) im Prinzip eine Qualit\u00e4tsstufe einer Sorte zu DAC-Ehren kommt, sind es bei den anderen bisherigen nieder\u00f6sterreichischen DAC-Regionen zwei Qualit\u00e4tsebenen aus jeweils zwei Rebsorten.<\/p>\n<p>Im Mittelburgenland wiederum ist es zwar nur eine Traubensorte, daf\u00fcr gibt es aber gleich drei Qualit\u00e4tsebenen, die jeweils eigenst\u00e4ndige DAC-Begriffe tragen.<\/p>\n<p>An und f\u00fcr sich ist eine gewisse Flexibilit\u00e4t des DAC-Systems ist nat\u00fcrlich durchaus zu begr\u00fc\u00dfen, um auf\u00a0regionale Besonderheiten eingehen zu k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich gibt es bei der Umsetzung auch verschiedene Aspekte zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Werbetechnisch ist eine Beschr\u00e4nkung auf ein Produkt w\u00fcnschenswert, weil es so am einfachsten mit dem Herkunftsmarkennamen verkn\u00fcpft werden kann. Dabei stellt sich aber die Frage, ob langfristig der marketingtechnische Ansatz besser ist, ein breit verf\u00fcgbares Mittelklasseprodukt unter dem Herkunftsnamen zu vermarkten, oder die \u00dcberlegung, dass h\u00f6herwertigere Weine wohl eher in der Lage sind, die Besonderheiten eines Gebietes zu transportieren.<\/p>\n<p>Dass es dabei nicht einfach nur um irgendeinen vergleichsweise banalen Markennamen geht, sondern um den nicht so ohne weiteres austauschbaren Namen des Weinbaugebietes, macht die Entscheidung nicht einfacher.<\/p>\n<p>Da das neue Bezeichnungssystem eingef\u00fchrt wurde, ohne in die bestehenden vielf\u00e4ltigen Weinbaustrukturen einzugreifen, f\u00fchrt die Einschr\u00e4nkung auf nur einen DAC-Wein (sofern man sich \u00fcberhaupt auf einen einigen kann) naturgem\u00e4\u00df dazu, dass die Herkunftsweine nur einen kleinen Teil der Produktion eines Gebietes ausmachen.<\/p>\n<p>Definiert man den DAC-Typus dann\u00a0noch dazu nach dem Grundsatz, dass hochwertige (und damit teurere) Weine ihren Ursprung besser schmeckbar machen relativ elit\u00e4r, werden die Herkunftsweine zu einem absoluten Minderheitenprogramm.<\/p>\n<p>Da ist es zweifellos einfacher, das DAC-Konzept so weit zu dehnen, bis schlie\u00dflich (fast) alle Weine eines Gebietes hineinpassen. Also bis alles (fast) so ist, wie es vorher war&#8230;<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">DAC &#8211; What?<\/span><\/p>\n<p>Eines der Hauptargumente der Proponenten f\u00fcr die herkunftsorientierte Weinbezeichnung war die Vereinfachung des Weinexportes. Autochthone Rebsorten wie Gr\u00fcner Veltliner, Blaufr\u00e4nkisch und Zweigelt w\u00e4ren international via Rebsortenmarketing nur schwer zu verkaufen, hie\u00df es. Herkunftsbegriffe dagegen w\u00e4ren leichter vermittelbar und dar\u00fcber hinaus auch noch unverwechselbar.<\/p>\n<p>Also begann man am DAC-Konzept zu feilen, und bewarb bis zu dessen praktischer Umsetzung notgedrungen Gr\u00fcnen Veltliner und Co. Dabei war man so erfolgreich, dass es nicht nur in Deutschland und der Schweiz, sondern (in der Nische der weininteressierten Konsumenten) auch in England und den USA gelang, vor allem den Gr\u00fcnen Veltliner (dahinter aber auch Zweigelt, Blaufr\u00e4nkisch und Co.) zu einem Begriff zu machen. Aller sprachlichen Hindernisse zum Trotz.<\/p>\n<p>Dieser Erfolg f\u00fchrt heute dazu, dass Importeure z.B. auf dem Begriff &#8222;Gr\u00fcner Veltliner&#8220; auf dem Vorderetikett bestehen, obwohl die DAC-Richtlinien eigentlich vorsehen, die Sorte sukzessive zugunsten der Herkunft in den Hintergrund zu r\u00fccken.<\/p>\n<p>Davon abgesehen ist es sicherlich auch keine gro\u00dfe Hilfe, dass die Herzkunftsbezeichnungen anderer L\u00e4nder (wie z.B. Frankreichs AOC), die als Vorbild f\u00fcr das heimsche DAC gedient haben international mittlerweile durchaus umstritten sind.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Marketinggag oder nachhaltiger Erfolg<\/span><\/p>\n<p>Dabei mu\u00df man gerade den Verantwortlichen f\u00fcr\u00a0das franz\u00f6sische AOC-System zubilligen, dass sie es sich in einigen Teilbereichen nicht einfach gemacht haben. Im Unterschied zu den heimischen Herkunftsweinen haben die franz\u00f6sischen (die ich n\u00e4her kenne) ein massives Fundament aus angewandter Forschung in Weingarten und Keller.<\/p>\n<p>Der Schwerpunkt der heimischen DAC-Weine dagegen liegt zumindest im Moment eher auf der Marketingseite. Damit droht ihnen aber mittelfristig das Schicksal der vielen Markengemeinschaften der 1980er-Jahre, die fast alle nach guten (medialen) Anfangserfolgen\u00a0in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend damals aber nur Fantasienamen Schaden genommen haben, geht es jetzt um mehr: Um unsere Herkunft.\u00a0Und deshalb\u00a0ist es ratsam, ob der medialen Aufmerksamkeit der ersten Jahre die Grundlagenarbeit \u00a0nicht zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<p>Damit die DAC-Absichten (und mit ihnen die Weinherk\u00fcnfte) auch nach dem Abflauen der ersten Euphorie glaubw\u00fcrdig bleiben&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben einigen Chancen ergibt sich aus der Einf\u00fchrung von herkunftsbezeichneten Weintypen, d.h. der konkreten Umsetzung des DAC-Konzeptes nat\u00fcrlich auch die eine oder andere Schwierigkeit: Problemfelder Verwirrung beim Konsumenten Da sich die heimischen Weingremien dazu entschlossen haben, das herkunftsbetonte Weinbezeichnungssystem parallel zum bisherigen eher sortenbezogenen System einzuf\u00fchren, bringen die DAC-Weine nicht wirklich eine Vereinfachung f\u00fcr den &#8230; <a title=\"Die unendliche Geschichte (6)\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1657\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Die unendliche Geschichte (6)\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-1657","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-verkauf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1657","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1657"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1657\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1662,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1657\/revisions\/1662"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1657"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1657"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1657"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}