{"id":163,"date":"2007-02-10T00:14:27","date_gmt":"2007-02-09T23:14:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=163"},"modified":"2007-02-12T12:17:40","modified_gmt":"2007-02-12T11:17:40","slug":"vereinsmeierei-teil-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=163","title":{"rendered":"Vereinsmeierei (Teil 4)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Gremlins in den Gremien<\/strong><\/p>\n<p>Halb\u00f6ffentliche und der (Partei)politik nicht ganz ferne Institutionen und Verb\u00e4nde haben offensichtlich unabh\u00e4ngig von der Branche \u00e4hnliche Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten.<\/p>\n<p>Wie der Weinviertelblog-Beitrag von Romana \u00fcber ihre Beinahe-Karriere in der Weinbaupolitik <a href=\"http:\/\/www.winzerblog.at\/?p=256\">hier<\/a> und die \u00c4u\u00dferungen von G\u00fcnther Jauch \u00fcber die <em>Gremien voller <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gremlins\">Gremlins<\/a><\/em> der ARD <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/data\/2007\/01\/15\/1177782.html\">hier<\/a> zeigen, ist es f\u00fcr eigenst\u00e4ndig denkende Quereinsteiger nicht immer leicht, diese zu verstehen oder gar zu akzeptieren. Auch mir will das nur sehr selten gelingen.<!--more--><\/p>\n<p>Kein Wunder, schlie\u00dflich sind jene, die den Mut haben, auch einmal anders zu denken und das auch noch zu sagen in den meisten Gremien recht rar ges\u00e4t. G\u00fcnther Jauch charakterisiert die verschiedenen Funktion\u00e4rstypen mit den Worten <em>Irrlichter<\/em>,  <em>Profilneurotiker<\/em> und <em>Wichtigtuer<\/em>. <\/p>\n<p>Nach meinen Erfahrungen lassen sich die meisten Funktionstr\u00e4ger einer oder zwei der folgenden Kategorien zuordnen. Zu welcher ich geh\u00f6re darf sich jeder selbst ausmalen.<\/p>\n<p><strong>Der Multifunktion\u00e4r<\/strong><\/p>\n<p>Gut verankert in zahllosen Gremien und politischen Netzwerken ist der Multifunktion\u00e4r in der Regel einer der &#8222;Macher&#8220; eines Gremiums. Dabei spielt er seine Macht mehr oder weniger subtil aus und trachtet unter allen Umst\u00e4nden danach, das Ruder in der Hand zu behalten. Schlie\u00dflich wei\u00df er als altgedienter Funktionstr\u00e4ger, da\u00df nichts gef\u00e4hrlicher ist, als unkonventionelle Ideen, deren Ergebnisse nicht abzusehen sind und die deshalb f\u00fcr ihn unkontrollierbar sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Solche Ans\u00e4tze l\u00e4\u00dft er deswegen entweder gar nicht aufkommen oder er legt ihnen mehr oder weniger subtil alle m\u00f6glichen Stolpersteine in den Weg um anschlie\u00dfend zu behaupten, da\u00df er immer schon gewu\u00dft habe, das daraus nichts werden kann. In den seltenen F\u00e4llen, in denen es ihm nicht gelingt, eine dieser beiden Strategien anzuwenden \u00fcbernimmt er die Idee, um sie anschlie\u00dfend bis zu einer Unkenntlichkeit zu verw\u00e4ssern, die ihm nicht mehr gef\u00e4hrlich erscheint.<\/p>\n<p>Beliebte Argumente dabei sind der notwendige breite Konsens, die R\u00fccksichtnahme auf den kleinen Mann und die Abfederung von H\u00e4rtef\u00e4llen. Letztere sind vor allem im Vorfeld von anstehenden politischen Wahlen beliebt.<\/p>\n<p><strong>Der Wichtigtuer<\/strong><\/p>\n<p>Er redet viel und sagt wenig. Und wenn er eine eigene Meinung hat, dann schafft er es meist erfolgreich, diese gut zu verbergen. In langen, nicht endenwollenden Wortkaskaden gelingt es dem Wichtigtuer mitunter in einem Satz erst das Eine und dann das genaue Gegenteil zu vertreten.<\/p>\n<p>Damit ist der Wichtigtuer ein beliebtes und willf\u00e4hriges Werkzeug des Multifunktion\u00e4rs. Er lehnt keine F\u00fchrungsposition ab und l\u00e4\u00dft sich recht leicht aus dem Hintergrund instrumentalisieren.<\/p>\n<p><strong>Der Eigenn\u00fctzige<\/strong><\/p>\n<p>Der Eigenn\u00fctzige betrachtet seine Funktion prim\u00e4r als M\u00f6glichkeit, sich selbst einen (Wissens)vorteil zu verschaffen. An Sitzungen, deren Tagesordnung aus dieser Sicht wenig vielversprechend ist, nimmt er nur sehr selten Teil. Dementsprechend oft ist er nicht anwesend, und wenn er doch da ist, verfolgt er zwar aufmerksam das Geschehen, tr\u00e4gt aber selbst nichts bei und meldet sich kaum zu Wort.<\/p>\n<p><strong>Der Gestre\u00dfte<\/strong><\/p>\n<p>Auch der Gestre\u00dfte fehlt bei vielen Sitzungen und wenn er doch kommt, dann fast immer zu sp\u00e4t. Schlie\u00dflich hat er so viele Verpflichtungen und Termine, wie auch das immer wieder l\u00e4utende Handy belegt.<\/p>\n<p>Trotzdem tr\u00e4gt dieser bedauernswerte Zeitgenosse immer wieder einzelne Elemente zur Diskussion bei. Da ihm aber eine koordinierte Mitarbeit \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum offenbar nicht m\u00f6glich ist, bleibt das Ergebnis oft St\u00fcckwerk.<\/p>\n<p><strong>Der Schweiger<\/strong><\/p>\n<p>Wie der Eigenn\u00fctzige verfolgt auch der Schweiger fast jede Diskussion mit stoischer Ruhe. Er meldet sich selten zu Wort, aber wenn, dann in der Regel mit einem durchwegs fundierten Statement, dem man kaum widersprechen kann. Mit dieser Vorgangsweise ist der Schweiger gut im Abschlie\u00dfen von (zu) langen Diskussionen. Einen kreativen Input der zum Entstehen neuer Ideen f\u00fchrt, liefert er damit jedoch nicht.<\/p>\n<p><strong>Der Unauff\u00e4llige<\/strong><\/p>\n<p>Er hat sein Amt, weil er bei der Nominierung nicht nein sagen konnte oder wollte. Demgem\u00e4\u00df arbeitet der Unauff\u00e4llige bei jedem Thema pflichtbewu\u00dft mit, exponiert sich aber nur selten und orientiert sich an den Meinungsf\u00fchrern. Mit dieser Strategie ist er auf dem besten Weg  eines Tages als allseits anerkanntes und verdientes Mitglied seiner Zunft geehrt zu werden.<\/p>\n<p><strong>Der Querulant<\/strong><\/p>\n<p>Nicht immer gelingt es dem Multifunktion\u00e4r und dem Wichtigtuer schon im Vorfeld zu verhindern, da\u00df ein Querulant in ein Gremium nominiert wird. Der Querulant ist selten da, aber wenn, dann ist er immer f\u00fcr einen Eklat gut. Er vertritt fast immer das Gegenteil der Mainstream-Meinung, was gelegentlich etwas Bewegung in die verkn\u00f6cherten Strukturen bringt. Nicht selten sind seine Positionen aber so wenig nachvollziehbar, da\u00df es auch dem wohlmeinendsten Kollegen schwer f\u00e4llt, ihm zu folgen.<\/p>\n<p><strong>Der Besserwisser<\/strong><\/p>\n<p>Eng verwandt mit dem Querulanten wei\u00df auch der Besserwisser an fast allen Vorschl\u00e4gen etwas auszusetzen. Im Unterschied zum Querulanten, der dabei meist eigene, wenn auch nicht immer nachvollziehbare Vorschl\u00e4ge einbringt, bleibt der Besserwisser diese in der Regel schuldig. So ist er davor gefeit, das Opfer eines anderen Vertreters seiner Spezies zu werden.<\/p>\n<p><strong>Der Idealist<\/strong><\/p>\n<p>Der Idealist strebt seine Funktion in einem Gremium ebensowenig an, wie der Unauff\u00e4llige. Wird ihm aber eine Funktion angeboten, f\u00fchlt er sicht verpflichtet diese auch nach bestem Wissen und Gewissen als Dienst an der Gemeinschaft auszu\u00fcben. Dabei ist er der naiven Ansicht, positive Ver\u00e4nderungen bewirken zu k\u00f6nnen indem er seine eigenst\u00e4ndige, meist wohl durchdachte und nicht immer dem Mainstream entsprechende Meinung vertritt.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird der Idealist aber von der Realit\u00e4t eingeholt und mutiert in Folge entweder zum Realist oder zum Resignateur. Dieser Proze\u00df geht selten ohne eine gewisse Frustration von statten.<\/p>\n<p><strong>Der Realist<\/strong><\/p>\n<p>Der Realist wei\u00df von der erm\u00fcdenden und zerm\u00fcrbenden Tr\u00e4gheit der Gremien. Entweder weil er weitsichtig genug war, bevor er seine Funktion \u00fcbernommen hat, oder weil ihn die M\u00fchen des Verbandsalltags vom Idealisten zum Realisten reifen haben lassen.<\/p>\n<p>Um der latenten Gefahr vorzubeugen, zum Resignateur zu werden, hat er seine Taktik an die Vorgangsweise des Multifunktion\u00e4rs und des Wichtigtuers angepa\u00dft. Sein Instinkt bewahrt ihn meist davor, seine Kr\u00e4fte dort zu vergeuden, wo er ohnehin keinerlei Ver\u00e4nderungen bewirken kann. Und sein Intellekt veranla\u00dft ihn, die gesparten Kr\u00e4fte dort massiv zum Einsatz zu bringen, wo eine Ver\u00e4nderung in seinem Sinn m\u00f6glich oder unumg\u00e4nglich erscheint.<\/p>\n<p>Diese Vorgangsweise ist mitunter durchaus wirkungsvoll, aber auch \u00e4u\u00dferst kraftaufreibend. Der Realist unterliegt deshalb einem Ersch\u00f6pfungsproze\u00df, der ihn meist nach ein oder zwei Funktionsperioden zum R\u00fcckzug zwingt.<\/p>\n<p><strong>Der Resignateur<\/strong><\/p>\n<p>Idealist und Realist sind st\u00e4ndig in Gefahr, vom Tr\u00e4gheitsmoment der Gremien zum Resignateur transformiert zu werden. Da sie vom Multifunktion\u00e4r und vom Wichtigtuer ob ihrer eigenst\u00e4ndigen Meinung und dem Mut diese auch zu vertreten als Bedrohung gesehen werden, unterst\u00fctzen diese den Transformationsproze\u00df nach Kr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Der Resignateur stellt n\u00e4mlich keinerlei Gefahr mehr dar. Er erspart sich viele Sitzungen und wenn er da ist, sitzt er ruhig seine Zeit bis zum Ende der Funktionsperiode ab, um danach dem Gremium f\u00fcr immer den R\u00fccken zu kehren. Das hin und wieder aufflackernde Bestreben, seine eigene Meinung zu vertreten ist in der Regel harmlos und nur von kurzer Dauer.<\/p>\n<p><strong>Die erfolgreiche Autorit\u00e4t aus der Praxis<\/strong><\/p>\n<p>Sie verbindet den Weitblick des Idealisten mit dem Machtbewu\u00dftsein und dem Durchsetzungsverm\u00f6gen des Multifunktion\u00e4rs und w\u00e4re eine echter Lichtblick in zahlreichen Gremien. Die (wirtschaftlich und pers\u00f6nlich) erfolgreiche Autorit\u00e4t aus der Praxis wird n\u00e4mlich auch vom gestandenen Multifunktion\u00e4r geachtet (und\/oder berechtigterweise gef\u00fcrchtet).<\/p>\n<p>Leider ist sie sehr sehr selten in den Gremien zu finden. Schlie\u00dflich sie sich au\u00dferhalb der gemeinn\u00fctzigen Verb\u00e4nde l\u00e4ngst ihr eigenes Netzwerk gekn\u00fcpft und hat es daher nicht notwendig (und f\u00fchlt sich auch nicht dem Gemeinwohl verpflichtet, wie der Idealist), sich in traditionellen Gremien zu engagieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gremlins in den Gremien Halb\u00f6ffentliche und der (Partei)politik nicht ganz ferne Institutionen und Verb\u00e4nde haben offensichtlich unabh\u00e4ngig von der Branche \u00e4hnliche Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten. 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