{"id":156,"date":"2007-01-28T22:47:39","date_gmt":"2007-01-28T21:47:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=156"},"modified":"2007-01-28T23:30:42","modified_gmt":"2007-01-28T22:30:42","slug":"vereinsmeierei-teil2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=156","title":{"rendered":"Vereinsmeierei (Teil2)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Winzergenossenschaften<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich wollte ich meine Serie zu den Vereinen und Verb\u00e4nden ganz anders beginnen. Aus aktuellem Anla\u00df schreibe ich aber \u00fcber das Thema Winzergenossenschaften. Heute Nachmittag hat n\u00e4mlich die Winzergenossenschaft M\u00f6rbisch am See bei einer Generalversammlung ihre Aufl\u00f6sung beschlossen. <!--more--><\/p>\n<p>Wie auch die Selbstbeschreibung (<a href=\"http:\/\/www.moerbischamsee.at\/de\/index2.jsp?\/de\/b_wein_aus_moerbisch\/WAM_wein_aus_moerbisch.jsp\" target=\"_blank\">hier<\/a> im Men\u00fc Wein aus M\u00f6rbisch\/Organisationen) zeigt, war die M\u00f6rbischer Winzergenossenschaft zwar f\u00fcr viele kleine Nebenerwerbswinzer eine wichtige Institution, da sie aber immer nur Fa\u00dfwein weiterverkauft hat, erreichte sie weder eine besonders gro\u00dfe Wertsch\u00f6pfung noch eine echte Marktbedeutung.<\/p>\n<p>Anders als in Deutschland hat in \u00d6sterreich das Genossenschaftswesen im Weinbau nie eine besonders gro\u00dfe oder gar dominante Stellung erreicht. Von wenigen Ausnahmen wie den <a href=\"http:\/\/www.fww.at\/\" target=\"_blank\">Freien Weing\u00e4rtnern Wachau<\/a>, der <a href=\"http:\/\/www.winzerkrems.at\/\" target=\"_blank\">Winzer Krems<\/a>, den Genossenschaften von <a href=\"http:\/\/www.neckenmarkt.at\/\" target=\"_blank\">Neckenmarkt<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.vereinte-winzer.at\/\" target=\"_blank\">Horitschon<\/a>, der <a href=\"http:\/\/www.poettelsdorf.at\/\" target=\"_blank\">Domaine P\u00f6ttelsdorf<\/a> und der Winzergenossenschaft Andau (mit dem Projekt <a href=\"http:\/\/www.zantho.at\/\" target=\"_blank\">Zantho<\/a>) abgesehen, gen\u00fcgten sich die Genossenschaften lange in der Rolle der\u00a0Zulieferer f\u00fcr die (schon vor einigen Jahren gescheiterten) Dachverb\u00e4nde Winzerhaus (N\u00d6) und Weinkellerei Burgenland.<\/p>\n<p>Dabei ist die Idee des Genossenschaftswesens an sich durchaus vielversprechend. Viele mehr oder weniger kleine Winzer investieren gemeinsam in Produktion und Vertrieb und schaffen\u00a0so mehr Qualit\u00e4t und Einkommen aus ihren Trauben. Die Genossenschaft selbst ist als Firma dabei nur Mittel zum Zweck und erwirtschaftet ihren Gewinn nicht f\u00fcr sich selbst, sondern ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Mitglieder.<\/p>\n<p>Zu diesem Zweck sind Genossenschaften im Vergleich zu Handelsbetrieben zwar unter anderem steuerlich beg\u00fcnstigt, unterliegen daf\u00fcr aber deutlich strengeren Bestimmungen als herk\u00f6mmliche Vereine. Genossenschaften haben nicht nur einen Vorstand, sondern auch einen Aufsichtsrat und werden im Rahmen der Revision j\u00e4hrlich von unabh\u00e4ngigen Institutionen gepr\u00fcft.<\/p>\n<p>In der Nachkriegszeit wurde in fast jedem gr\u00f6\u00dferen Weinbauort eine Winzergenossenschaft gegr\u00fcndet. In den allermeisten F\u00e4llen vinifizierten sie aus den Trauben ihrer Mitglieder Fa\u00dfweine, die an den Handel, vor allem aber an die genossenschaftliche Vermarktungsdachorganisation weiterverkauft wurden. Der Winzerverband \u00fcbernahm dann den Verschnitt der Weine, die Abf\u00fcllung und den Verkauf im In- und Ausland.<\/p>\n<p>Schwerf\u00e4llige Entscheidungsstrukturen, ein zu langsames Reagieren auf den sich wandelnden Markt, politische Interventionen, die \u00dcberproduktion Ende der 70er und Anfang der 80er-Jahre und der Weinskandal f\u00fchrten nach einer langen Krise letztlich zum Zerfall der Winzerverb\u00e4nde und nahmen vielen kleinen Ortsgenossenschaften damit\u00a0ihre Vermarktungsstrukturen. Vom burgenl\u00e4ndischen Winzerverband, sp\u00e4ter Weinkellerei Burgenland genannt, sind nur einige Marken wie die &#8222;Storch&#8220;-Weine (die heute von der\u00a0privaten <a href=\"http:\/\/www.lenzmoser.at\/\" target=\"_blank\">Weinkellerei\u00a0Lenz Moser<\/a> verkauft werden) geblieben.<\/p>\n<p>Nur wenigen Genossenschaften ist es gelungen, nach dem Zerfall der Dachverb\u00e4nde eigene Vermarktungsstrukturen aufzubauen. Das Dinstlgut Loiben scheiterte erst vor wenigen Monaten endg\u00fcltig mit diesem Versuch, wie ich <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=22\">hier<\/a> berichtet habe. Die meisten produzier(t)en weiter anonyme Fa\u00dfweine, die sie mehr oder weniger gut an gr\u00f6\u00dfere Handelsbetriebe verkauf(t)en. Dabei bewegen sie sich in einem Teufelskreis, in dem eine geringe Wertsch\u00f6pfung zu einem geringen Auszahlungspreis f\u00fcr die Trauben und einer dementsprechend geringen Motivation der Mitglieder bei der qualit\u00e4tsorientierten Weingartenarbeit f\u00fchrt. Was wiederum die Weinqualit\u00e4t\u00a0verschlechtert und damit den m\u00f6glichen Erl\u00f6s.<\/p>\n<p>Genossenschaftsmitglieder haben aber selten den Weitblick und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Erfordernisse des Marktes, um solche \u00dcberlegungen anzustellen. Sehr oft fehlt es auch an der Ausbildung f\u00fcr qualit\u00e4tsf\u00f6rdernde Ma\u00dfnahmen im Weingarten oder der Solidarit\u00e4t, nicht nur schlechtes Traubenmaterial in die Genossenschaft zu liefern und gutes selbst zu vermarkten.\u00a0Die erfolgreichen Betriebe versuchen diese Problematik mit der Verpflichtung alle Trauben abzuliefern, einem qualit\u00e4tsorientierten Bezahlungssystem und\u00a0st\u00e4ndigen Schulungen der Mitglieder\u00a0in den Griff zu bekommen. Wie aber die Turbulenzen innerhalb der Freien Weing\u00e4rtner Wachau in den letzten\u00a0Jahren zeigen, bleibt dieses Spannungsfeld zwischen Mitgliedern und Betriebsf\u00fchrung in Genossenschaften trotzdem immer f\u00fcr Konflikte gut.<\/p>\n<p>Der Strukturwandel in der Weinbranche, bedingt durch den Markt und die auch generationenbedingte Abkehr vom Nebenerwerbsweinbau treibt aber die Genossenschaften in eine gef\u00e4hrliche Kostenfalle. Die Mitgliederzahlen, Rebfl\u00e4chen und zu verarbeitenden Trauben werden von Jahr zu Jahr weniger, aber die Fixkosten f\u00fcr Personal, Ger\u00e4te, Strom, Abwasserentsorgung und Verwaltung bleiben weitgehend gleich.<\/p>\n<p>Sogar die Aufl\u00f6sung einer Genossenschaft wird da zum Problem. Denn erst wenn auch das Geb\u00e4ude samt allen Ger\u00e4ten und Tanks (die meist nicht auf dem allerletzten Stand der Technik und dementsprechend schwer zu verkaufen sind) ver\u00e4u\u00dfert sind, kann die Genossenschaft auf dem Papier aufgel\u00f6st werden. Und bis dahin fallen weiterhin laufend Kosten an, auch wenn keine Trauben mehr \u00fcbernommen werden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Winzergenossenschaften Eigentlich wollte ich meine Serie zu den Vereinen und Verb\u00e4nden ganz anders beginnen. Aus aktuellem Anla\u00df schreibe ich aber \u00fcber das Thema Winzergenossenschaften. 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