{"id":1549,"date":"2009-08-03T23:23:31","date_gmt":"2009-08-03T21:23:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1549"},"modified":"2009-08-03T23:40:51","modified_gmt":"2009-08-03T21:40:51","slug":"denkwurdige-jahrgange-1996","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1549","title":{"rendered":"Denkw\u00fcrdige Jahrg\u00e4nge: 1996"},"content":{"rendered":"<p>Schwache Weinjahre sind heutzutage zum Gl\u00fcck sehr selten. Das hat m\u00f6glicherweise ein wenig mit dem Klimawandel zu tun, auf jeden Fall aber auch damit, dass die Weinbauern heute dank gestiegenem Know-How und besserer Ausr\u00fcstung auch bei schwieriger Ausgangslage ordentliche (aber nat\u00fcrlich nicht gro\u00dfe) Weine erzeugen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Von den mittlerweile auch schon 15 Ernten, die ich als Kellermeister miterlebt habe, ist 1996 der einzige Jahrgang, den man mit Fug und Recht als schwach bezeichnen kann.<\/p>\n<p>In diesem Jahr warf die Natur den Weinbauern (zumindest in unserer Region) so viele Kn\u00fcppel ziwschen die Beine, dass diese sich am Ende schon gl\u00fccklich sch\u00e4tzen\u00a0mu\u00dften, wenn es ihnen gelungen war, zwar relativ belanglose, aber wenigstens saubere Weine zu keltern. <!--more--><\/p>\n<p>Eigentlich begann das Unheil schon im Herbst 1995. Der war ziemlich feucht, und ebenso der Winter und das Fr\u00fchjahr 1996. Der Neusiedlersee trat \u00fcber seine Ufer und \u00fcberschwemmte ein Gebiet, das gr\u00f6\u00dfer war, als er selbst.<\/p>\n<p>Im April und Mai stand das Wasser in unseren seenahen Weing\u00e4rten 20 oder 30 Zentimeter hoch, und es ist eigentlich ein Wunder, dass die Rebst\u00f6cke das \u00fcberlebt haben. Austrieb und Bl\u00fcte waren in allen Weing\u00e4rten sp\u00e4t, und der Sommer war nicht perfekt genug, um an dieser verz\u00f6gerten Entwicklung etwas zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Der Herbst war wiederum sehr na\u00df, und das Wasser, das sich \u00fcber den Sommer halbwegs in den See zur\u00fcckgezogen hatte, kam wieder in die Weing\u00e4rten. F\u00e4ulnis machte sich in den Trauben breit, und aufgrund der sp\u00e4t einsetzenden Reife konnte man nicht unbedingt von Edelf\u00e4ule sprechen.<\/p>\n<p>Bei der Lese blieb letztlich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Also zwischen wenigstens teilweise halbwegs gesunden aber\u00a0nicht wirklich reifen Trauben bei fr\u00fcher Ernte oder F\u00e4ulnis pur mit etwas h\u00f6heren Zuckergradationen bei sp\u00e4terer Lese. Wobei sich die F\u00e4ulnis derart rasch ausbreitete, dass uns mit fortschreitender Lese diese Wahlm\u00f6glichkeit recht schnell abhanden kam.<\/p>\n<p>Im Nachhinen betrachtet haben wir diesen Jahrgang zumindest in Relation zu vielen Kollegen eigentlich recht gut gemeistert. Damals allerdings bescherten uns Wetter und Traubenmaterial schlaflose N\u00e4chte und schlugen sich mir massiv auf den Magen.<\/p>\n<p>Bei den Wei\u00dfweinen versuchten wir unser Gl\u00fcck (zum ersten und bislang einzigen Mal) mit Kohlesch\u00f6nungen gleich nach der Pressung. Aktivkohle ist ein sehr starkes Sch\u00f6nungsmittel und entfernt ziemlich viele (positive wie negative) Aromastoffe. Durch die Anwendung im Most blieb zumindest die Hoffnung auf jene Duftkomponenten, die erst w\u00e4hrend der G\u00e4rung entstehen bzw. freigesetzt werden.<\/p>\n<p>Das nicht wirklich ausgewogene Verh\u00e4ltnis zwischen Zucker und S\u00e4ure in den Trauben haben wir bei den meisten Weinen so gut wie m\u00f6glich mit Aufbesserungen und Ents\u00e4uerungen reguliert. Bei einzelnen besseren Chargen haben wir allerdings weniger auf R\u00fcbenzucker gesetzt, als auf Rebenzucker.<\/p>\n<p>Um nicht nur den Alkoholgehalt zu erh\u00f6hen, sondern auch den K\u00f6rper haben wir n\u00e4mlich einen Teil unseres hochgradigen Ausbruch-Weines aus dem Vorjahr geopfert, und ihn in geringen Prozents\u00e4tzen den neuen Mosten zugegeben und mitvergoren.<\/p>\n<p>Am Ende waren unsere Wei\u00dfen durch die Bank ohne Fehlton, dabei aber doch ziemlich schlank und s\u00e4urebetont. Als die jugendliche Frische etwas nachlie\u00df, machte sich das Problem des Jahrgangs, die\u00a0F\u00e4ulnis, recht schnell bemerkbar.<\/p>\n<p>Nur in ganz ganz wenigen Weinen \u00e4u\u00dfert sie sich auf angenehme, honigartige Weise, und selbst bei diesen wirkt sie angesichts der schlanken, s\u00e4urebetonten Grundz\u00fcge der Weine meist deplaziert.<\/p>\n<p>Bei den Rotweinen sind die Auwirkungen von botrytisbefallenen Trauben noch schlimmer, weil die F\u00e4ulnis auch Farbstoffe und Tannine zerst\u00f6rt. Von Zweigelt und Blaufr\u00e4nkisch\u00a0konnten wir deshalb trotz bestm\u00f6glicher (aber nicht wirklich m\u00f6glicher) Auslese nur unsere\u00a0\u00a0Einstiegsqualit\u00e4ten keltern und selbst diese waren nur mittelpr\u00e4chtig.<\/p>\n<p>Der Cabernet war dank seiner dicken Beerenschale zwar bis zur Ernte halbwegs gesund, allerdings ziemlich grasig und unreif. Reinsortig war er absolut unbrauchbar, und deshalb haben wir den allergr\u00f6\u00dften Teil davon \u00fcber mehrere Jahre hinweg in kleinen Mengen in unseren roten Landwein <span style=\"text-decoration: line-through;\">entsorgt<\/span> verschnitten.<\/p>\n<p>Aus Neugierde haben wir aber doch auch ein \u00e4lteres Barrique damit bef\u00fcllt und sp\u00e4ter mit einer besseren Zweigelt-Charge &#8222;verm\u00e4hlt&#8220;. Dieser Wein kam in einer einmaligen Mini-Auflage von wenigen hundert Flaschen unter dem Namen &#8222;Herbstcuv\u00e9e&#8220; auf den Markt und war, wenn ich mich recht erinnere, bei unseren Kunden recht beliebt. Leider habe ich davon keine Flaschen aufgehoben. Ich w\u00e4re jetzt wirklich neugierig, was zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter daraus geworden ist.<\/p>\n<p>Bei den S\u00fc\u00dfweinen, die auf Edelf\u00e4ule basieren f\u00e4llt die Jahrgangseinsch\u00e4tzung naturgem\u00e4\u00df etwas besser aus. Wirklich gute Pr\u00e4dikatsweine waren 1996 zwar m\u00f6glich, aber sicherlich auch in der Minderzahl. Zu oft fehlte es an Ausgangsreife vor dem f\u00e4ulnisbedingten Einschrumpfen, was den Weinen zwar eine rassige S\u00e4ure als Gegengewicht zur S\u00fc\u00dfe verleiht, aber oft auch einen Mangel an Harmonie.<\/p>\n<p>Im direkten Vergleich ist der Vorg\u00e4ngerjahrgang 1995, der ebenfalls gr\u00f6\u00dfere Mengen an edels\u00fc\u00dfen Weinen erbracht hat sicherlich h\u00f6her einzustufen, als 1996.<\/p>\n<p>Uns bescherte 1996 eine Beerenauslese vom Traminer. Eigentlich hatten wir eine Sp\u00e4tlese geplant,\u00a0aber ein paar sonnige Tage zwischen der letzten Reifemessung und der Ernte lie\u00dfen die Trauben derart rasch schrumpfen, dass der Zuckergehalt von knapp 20\u00b0KMW auf 27\u00b0KMW anstieg.<\/p>\n<p>Trotz der hohen Gradation konnten wir den Wein zu unserer Verbl\u00fcffung nur mit M\u00fche daran hindern, durchzug\u00e4ren. Am Ende hatte er etwa 16 Prozent Alkohol und wirkte in seiner Jugend auch dementsprechend abweisend. Nach ein paar Jahren Reife ist dann aber ein ganz interessanter Tropfen daraus geworden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwache Weinjahre sind heutzutage zum Gl\u00fcck sehr selten. Das hat m\u00f6glicherweise ein wenig mit dem Klimawandel zu tun, auf jeden Fall aber auch damit, dass die Weinbauern heute dank gestiegenem Know-How und besserer Ausr\u00fcstung auch bei schwieriger Ausgangslage ordentliche (aber nat\u00fcrlich nicht gro\u00dfe) Weine erzeugen k\u00f6nnen. 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