{"id":147,"date":"2007-02-23T20:25:37","date_gmt":"2007-02-23T19:25:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=147"},"modified":"2007-02-23T20:28:26","modified_gmt":"2007-02-23T19:28:26","slug":"der-kunde-ist-konig-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=147","title":{"rendered":"Der Kunde ist K\u00f6nig (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p>Gelegentlich\u00a0kommt es im Umgang mit Kunden und Interessenten zu unerfreulichen Situationen. Wenn (ein) K\u00f6nig Kunde meint, von oben herab agieren zu m\u00fcssen, fragt man sich als Winzer manchmal, ob man sich wirklich alles bieten lassen mu\u00df. Und wo bei manchen Leuten H\u00f6flichkeit, gute Manieren und Respekt geblieben sind.<\/p>\n<p>Gottseidank sind solche Erlebnisse bei weitem die Ausnahme. Deshalb ist es leichter \u00fcber sie zu berichten als \u00fcber die vielen angenehmen Gespr\u00e4che, die wir mit unseren Kunden schon f\u00fchren durften. <!--more--><\/p>\n<p>Nach der Weinpr\u00e4sentation Anfang Dezember, bei der unter anderem unser Cabernet 2004 als Falstaff-Sortensieger geehrt wurde, erhielt ich einige Bestellungen und Anfragen. Darunter war auch folgende E-Mail (sinngem\u00e4\u00df aus dem Ged\u00e4chtnis zitiert):<\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Fiedler!<\/p>\n<p>Ist es m\u00f6glich, da\u00df Sie mir drei Flaschen Cabernet 2004 reservieren? Ich werde ihn voraussichtlich zwischen Weihnachten und Neujahr abholen.<\/p>\n<p>\u00a0MfG<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich habe ich mich auch \u00fcber diese Bestellung gefreut, wenn auch mit einer gewissen Verwunderung. Drei Flaschen von einem gerade erst auf den Markt gekommenen Wein von einem in den Medien nicht gerade omnipr\u00e4senten Winzer f\u00fcr gerade einmal drei Wochen eigens zu reservieren? Aber vielleicht sind anderswo die Weine tats\u00e4chlich in k\u00fcrzester Zeit vergriffen und ich kann es mir nur nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich habe ich den Run auf diverse Kult- und Siegerweine und die dabei gelegentlich zu beobachtende Selbsterniedrigung mancher Konsumenten noch nie verstanden. Manchen Schilderungen zufolge flehen manche Weinfreaks ja geradezu auf Knien, um manchen Winzern eine Flasche eines Kultweines um s\u00fcndteures\u00a0Geld abkaufen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Wie auch immer. Nach meinem Dank f\u00fcr die Bestellung und die Zusage, da\u00df\u00a0wir drei Flaschen reservieren (per E-Mail) kam nach den Weihnachtsfeiertagen die n\u00e4chste Nachricht (sinngem\u00e4\u00df aus dem Ged\u00e4chtnis zitiert):<\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Fiedler!<\/p>\n<p>Ist es m\u00f6glich, meine Reservierung von drei Flaschen auf sechs Flaschen aufzustocken? Bitte teilen Sie mir auch Ihre \u00d6ffnungszeiten mit, damit ich wei\u00df, wann ich den Wein abholen kann.<\/p>\n<p>\u00a0MfG<\/p><\/blockquote>\n<p>H\u00e4tte ich den Absender und diverse Schilderungen \u00fcber den Verkauf von hochpr\u00e4mierten Weinen nicht gekannt, w\u00e4re ich mir wohl vera&#8230;lber&#8230;t vorgekommen. H\u00f6flich bedankte ich mich, bat den Absender, mir den Termin bekanntzugeben, der ihm f\u00fcr die Abholung am besten pa\u00dft und versprach, da\u00df wir unseren Zeitplan danach einteilen werden.<\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Fiedler!<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde gerne am Nachmittag des 6. J\u00e4nner meine Reservierung von 6 Flaschen Cabernet Sauvignon 2004 abholen. Geht dieser Termin in Ordnung?<\/p>\n<p>\u00a0MfG<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie versprochen best\u00e4tigte ich den Termin, gab aber eine Uhrzeit vor, da wir am diesem Samstag zu einer Familienfeier eingeladen waren. Darauf hin kam am Donnerstag Nachmittag \u00ecn etwa folgende Nachricht:<\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Fiedler!<\/p>\n<p>Herzlichen Dank f\u00fcr Ihr Angebot. Wir wollen Sie bei Ihrer Feier nicht st\u00f6ren und k\u00f6nnten daher auch am Freitag, den 5. J\u00e4nner zwischen 16 und 17.30 bei Ihnen sein. Geht das in Ordnung?<\/p>\n<p>MfG<\/p><\/blockquote>\n<p>Langsam wurde es m\u00fchsam. Aber gut. Schlie\u00dflich wollte man auf unser Privatleben R\u00fccksicht nehmen. Freitag fr\u00fch best\u00e4tigte ich den Termin f\u00fcr den Nachmittag per Mail. Trotzdem erhielten wir am fr\u00fcheren Nachmittag einen Anruf:<\/p>\n<blockquote><p>Geht der Termin zwischen 16 Uhr und 17.30 heute Nachmittag in Ordnung?<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie bereits per Mail best\u00e4tigten wir auch am Telefon die Uhrzeit. Hoffentlich war die Sache bald \u00fcberstanden. Es ist zwar sch\u00f6n, wenn jemandem unser Wein eine solch ausgiebige Kommunikation wert ist, gleichzeitig aber auch anstrengend und ziemlich zeitintensiv.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wurden die sechs Flaschen Cabernet tats\u00e4chlich abgeholt und die langwierige Vorgeschichte war knapp vor einem vers\u00f6hnlichen Ende. Bis zu folgender Frage:<\/p>\n<blockquote><p>Bekomme ich daf\u00fcr jetzt einen Abholrabatt?<\/p><\/blockquote>\n<p>Damit war klar: Diese Geschichte ist unter &#8222;\u00c4&#8220; wie \u00e4rgerlich abzulegen. Unser Cabernet Sauvignon kostet im \u00d6sterreich-Versand \u20ac 15,70 zuz\u00fcglich anteiliger Frachtkosten, ab Hof jedoch ohnehin nur \u20ac 15,40, also 30 Cent weniger. Damit liegt er in der 93-Punkte-Kategorie bei Falstaff verdammt niedrig und verweist reihenweise Weine auf die Pl\u00e4tze, die deutlich mehr oder sogar das Doppelte kosten. In Sachen Preis-Leistung ist der Wein also ein mehr als faires Angebot.<\/p>\n<p>H\u00f6flich aber bestimmt wurde also die Frage verneint. Und wie es scheint, gelingt es uns auch in solchen Situationen die Contenance zu bewahren. Sonst w\u00e4re wohl derselbe Kunde dieses Mal nicht wieder gekommen, nach dem ich vor ein oder zwei Jahren ein \u00e4hnliches Ansinnen ebenfalls abgelehnt hatte. Damals verkosteten und diskutierten wir \u00fcber eine Stunde lang die hochpreisigsten Rotweine unseres Sortiments und Fa\u00dfproben. Beim anschlie\u00dfenden Kauf von einigen wenigen (\u00fcberwiegend preisg\u00fcnstigeren) Flaschen hielt er die Frage nach einem Mengenrabatt f\u00fcr angemessen. Und das war damals sogar seinem Begleiter peinlich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gelegentlich\u00a0kommt es im Umgang mit Kunden und Interessenten zu unerfreulichen Situationen. 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