{"id":1467,"date":"2009-06-21T21:09:22","date_gmt":"2009-06-21T20:09:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1467"},"modified":"2009-06-21T21:14:54","modified_gmt":"2009-06-21T20:14:54","slug":"die-unendliche-geschichte-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1467","title":{"rendered":"Die unendliche Geschichte (2)"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem Ende der 1990er-Jahre das Feld <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1013\">auf diese Weise<\/a> vorbereitet worden war, pr\u00e4sentierten die die ma\u00dfgeblichen Weingremien ihr Konzept einer herkunftsorientierten Weinbezeichnung als DIE L\u00f6sung f\u00fcr viele echte und behauptete Probleme der \u00f6sterreichischen Weinwirtschaft.<\/p>\n<p>Auch durch die Tatsache, dass es sich dabei um ein Experiment handelt, das einen Bruch mit allen bekannten Weinbezeichnungssystemen darstellt und deshalb durchaus dazu geeignet ist, neue Probleme aufzuwerfen, hielt die Verantwortlichen\u00a0nicht davon ab.<\/p>\n<p><strong>Die Quadratur des Kreises<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">&#8222;Germanisches&#8220; Weinrecht<\/span><\/p>\n<p>Das \u00f6sterreichische Weinrecht definiert (wie auch das deutsche) Qualit\u00e4t in erster Linie \u00fcber die Traubenreife, die &#8211; nicht ganz unumstritten, aber auch nicht v\u00f6llig falsch &#8211; der Einfachheit halber \u00fcber den Zuckergehalt definiert wird.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich z\u00e4hlt auch der Hektarertrag, der Geschmack (via\u00a0obligater Pr\u00fcfnummernverkostung\u00a0ab der Stufe Qualit\u00e4tswein) und die Herkunft (die z.B. beim Qualit\u00e4tswein wesentlich enger gefa\u00dft ist, als beim Tafel- oder Landwein). Hauptkriterium f\u00fcr die Weinbezeichnung sind aber letztlich trotzdem die Zuckergrade der Trauben.<\/p>\n<p>Damit hat dieses System etwas sehr demokratisches: Es verwehrt keinem Winzer die h\u00f6chsten Qualit\u00e4tsbezeichnungen, wenn er in der Lage ist (durch gute Lagen und sorgf\u00e4ltige Arbeit), am Ende des Weinjahres hochreife Trauben zu ernten. <!--more--><\/p>\n<p>Auf diese Weise f\u00f6rdert es geradezu die Vielfalt an Sorten, Weinstilen und Gebieten und widerspricht damit den g\u00e4ngigen Marketingweisheiten, die auf klare Botschaften dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Um trotzdem eine starke Aussage auf dem Etikett zu haben, stellen die meisten Weinbauern\u00a0im deutschsprachigen Raum seit Jahrzehnten die Rebsorte in den Vordergrund (wie das beinahe gleich lang auch die Produzenten in den L\u00e4ndern der neuen Weinwelt tun).<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Das &#8222;romanische&#8220; Weinbezeichnungsprinzip<\/span><\/p>\n<p>In vielen &#8222;romanischen&#8220; L\u00e4ndern sind die Rebsorten dem Konsumenten hingegen weitgehend unbekannt. Die AOC-(Frankreich), DOC(G)- (Italien) und DO-Systeme (Spanien) r\u00fccken die Herkunft des Weines ins Blickfeld und machen sie zum wichtigsten Qualit\u00e4tskriterium.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch hier zahlreiche erg\u00e4nzende Vorschriften, aber auch wenn er die alle einh\u00e4lt, kommt ein Winzer an der Herkunft nicht vorbei.<\/p>\n<p>Ein Wein kann noch so gut sein, wenn er nicht aus einer der genau definierten Qualit\u00e4tsweinregionen stammt, bleiben ihm die h\u00f6heren Weihen des Bezeichnungsrechtes solange verwehrt, bis sein Gebiet nach jahrzehntelangen Interventionen vielleicht zu einem solchen aufgewertet wird.<\/p>\n<p>Die\u00a0Qualit\u00e4tsweine sind bei diesem System aber nicht nur regional exakt definiert, sondern auch was deren Weinstil betrifft. So gibt es innerhalb jeder Herkunftszone mehr oder weniger detailierte Bestimmungen \u00fcber die Rebsorten, den Schnitt und die Erziehung der Weing\u00e4rten, die Arbeit im Keller und damit letztlich den genauen Weintyp.<\/p>\n<p>Salopp k\u00f6nnte man also sagen, das das &#8222;romanische&#8220; Weinrecht den Gestaltungsspielraum der Weinbauern dramatisch einengt, daf\u00fcr aber alle M\u00f6glichkeiten bietet, den Namen des Weinbaugebietes (Bordeaux, Chianti, Rioja,&#8230;)\u00a0zu einer\u00a0starken und einheitlichen Marke zu machen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">&#8222;Germanische&#8220; Strukturen und &#8222;romanische&#8220; Weine<\/span><\/p>\n<p>Wie die Praxis zeigt, haben beide Systeme ihre Vor- und Nachteile. W\u00e4hrend sich manche Produzenten in Deutschland und \u00d6sterreich nach den klaren Herkunftsbotschaften von Barolo und Co. sehnen, dr\u00e4ngen andererseits nicht wenige Weinbauern in Frankreich und Italien auf eine Lockerung der Vorschriften und die Erlaubnis, zus\u00e4tzlich zur Herkunft auch die Rebsorte auf dem Etikett angeben zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Davon abgesehen machen sich in allen L\u00e4ndern immer mehr Produzenten von Markenweine im unteren Preisbereich aber auch die Luxusweing\u00fcter ihre eigenen (Markt-)Gesetze, indem sie die Qualit\u00e4t ihrer Weine mit ihren Methoden (Ausstattung, Preis, Werbung,&#8230;) kommunizieren und die gesetzlichen Bezeichnungen als notwendiges \u00dcbel ins Kleingedruckte verbannen.<\/p>\n<p>Mit dem Versuch, &#8222;germanische&#8220; Strukturen in der Produktion mit einer &#8222;romanischen&#8220; Herkunftsvermarktung zu kombinieren betritt das \u00f6sterreichische DAC-System seit Ende der 1990er-Jahre echtes Neuland.<\/p>\n<p>Zwar gibt es z.B. im Elsass oder in S\u00fcdtirol &#8222;romanisch&#8220; bezeichnete Herkunftsweine, die auch eine Sortenbezeichnung tragen, allerdings weisen diese Gebiete eine wesentlich geringere Sorten- und Stilvielfalt auf, als Nieder\u00f6sterreich, Burgenland und Co. Anders als in \u00d6sterreich ist es dort daher m\u00f6glich, alle Weinsorten ins AOC- bzw. DOC(G)-System zu holen.<\/p>\n<p>Bei uns hingegen werden beide Weinbezeichnungsprinzipien wohl noch lange Zeit nebeneinander exisiteren, da die Weinbaupolitik weder das Ziel noch die M\u00f6glichkeiten hat, die gewachsene Weinvielfalt zu reduzieren.<\/p>\n<p>Ob die Versuche, die Bedeutung der herkunftsbezeichneten Weine auf dem Markt und in den K\u00f6pfen der Konsumenten durch intensive Bewerbung zu Lasten der sortenbezeichneten Weinvielfalt zu steigern langfristig erfolgreich sein werden, wird die Zukunft zeigen.<\/p>\n<p>Bis dahin ist es durch die Einf\u00fchrung von DAC-Weinen sicher nicht einfacher geworden, die \u00f6sterreichischen Weinbezeichnungen zu durchschauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem Ende der 1990er-Jahre das Feld auf diese Weise vorbereitet worden war, pr\u00e4sentierten die die ma\u00dfgeblichen Weingremien ihr Konzept einer herkunftsorientierten Weinbezeichnung als DIE L\u00f6sung f\u00fcr viele echte und behauptete Probleme der \u00f6sterreichischen Weinwirtschaft. Auch durch die Tatsache, dass es sich dabei um ein Experiment handelt, das einen Bruch mit allen bekannten Weinbezeichnungssystemen darstellt und &#8230; <a title=\"Die unendliche Geschichte (2)\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1467\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Die unendliche Geschichte (2)\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-1467","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-verkauf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1467","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1467"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1467\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1473,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1467\/revisions\/1473"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1467"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1467"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1467"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}