{"id":143,"date":"2007-01-02T17:25:39","date_gmt":"2007-01-02T16:25:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=143"},"modified":"2007-01-02T20:11:32","modified_gmt":"2007-01-02T19:11:32","slug":"wein-uberraschung-zum-jahresausklang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=143","title":{"rendered":"Wein-\u00dcberraschung zum Jahresausklang"},"content":{"rendered":"<p>Auch bei langj\u00e4hriger Erfahrung ist das Einsch\u00e4tzen des Reifepotentials von Weinen immer mit einer mehr oder weniger gro\u00dfen Portion Wahrsagerei verbunden. Und so wie es immer wieder Weine gibt, die schneller alt werden, als erhofft, gibt es auch Weine, die langlebiger sind, als man ihnen je zugetraut h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Am letzten Tag des alten Jahres bescherte mir ein Zufallsfund im Weinkeller ein solch positives Erlebnis.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Pinot blanc Sp\u00e4tlese (s\u00fc\u00df) 1991<\/strong><\/p>\n<p>Der Jahrgang 1991 war (neben 1996 und 1987) sicherlich einer der schwierigsten der letzten 20 Jahre. Nach einem langen Winter startete die Vegetation um gut vier Wochen versp\u00e4tet in den Fr\u00fchling. Die Bl\u00fcte begann Ende Juni und dauerte bis in die zweite Juliwoche. Normalerweise bl\u00fchen die Reben Anfang Juni, in Jahren wie 2000, 2002 und 2003 sogar schon im Mai.<\/p>\n<p>Der Sommer war eher durchwachsen und nicht wirklich dazu angetan, den Vegetationsr\u00fcckstand wieder gutzumachen. Der feuchte September brachte einen massiven Botrytisbefall in einem sehr fr\u00fchen Reifestadium der Trauben, haarscharf an der Grenze zwischen (unbrauchbarer) Sauerf\u00e4ule und (f\u00fcr S\u00fc\u00dfwein nutzbarer) Edelf\u00e4ule. Bei uns in M\u00f6rbisch beschleunigte ein sp\u00e4ter Hagelschlag diese Entwicklung zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>Der Lesetermin war der bestm\u00f6gliche Kompromi\u00df zwischen halbwegs ausreichender Traubenreife und noch vertretbarem Botrytisbefall. Die Wei\u00dfweine waren dementsprechend schlank, eher leicht im Alkohol, hoch (f\u00fcr heutige Geschmackserwartungen zum Teil viel zu hoch) in der S\u00e4ure und mehr oder weniger von Botrytisaromen gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Beim Versuch, den Botrytisanteil in unserem trockenen Wei\u00dfburgunder durch ein Aussortieren eines Teiles der Botrytistrauben etwas zu reduzieren (an eine &#8222;saubere&#8220; Trennung zwischen kaum noch vorhandenen frischen Beeren und Botrytis war nicht mehr zu denken) entstanden damals als &#8222;Negativselektion&#8220; 500 Liter Sp\u00e4tlese mit etwa 22\u00b0KMW (nach Weingesetz eigentlich schon eine Auslese), 11,3% Alkohol, 50,9 g\/l Restzucker und 9,2 g\/l S\u00e4ure.<\/p>\n<p>Wie nicht anders zu erwarten, war der Wein in seiner Jugend sehr botrytisgepr\u00e4gt und trotz Restzucker (auch aber nicht nur wegen der hohen S\u00e4ure) recht schlank. Das er einen f\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse au\u00dfergew\u00f6hnlich hohen zuckerfreien Extraktwert von 34,6 g\/l hat beweist nur, wie wenig Analysenwerte \u00fcber den sensorischen Eindruck aussagen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Alles in allem also ein braver Wein, dem man nicht allzuviel Potential zutrauen w\u00fcrde. Und schon gar keine solche Performance nach 15 Jahren:<\/p>\n<p>Farbe:<\/p>\n<p>klar, kr\u00e4ftiges Bernstein bei nur mittlerer Viskosit\u00e4t, ungew\u00f6hnlich farbintensiv f\u00fcr eine Sp\u00e4tlese selbst dieses Alters, erkl\u00e4rbar durch den extrem hohen Botrytisanteil<\/p>\n<p>Geruch:<\/p>\n<p>sauber, nicht allzu intensiv aber sehr klar und jugendlich, Honig und Zitrusfr\u00fcchte bei mittlerer Komplexit\u00e4t<\/p>\n<p>Geschmack:<\/p>\n<p>durch die Reife und die lebendige, aber gut eingebundene S\u00e4ure eher halbtrocken als s\u00fc\u00df wirkend; filigran, dabei aber nicht schlank, sondern elegant; Honigaromen und Zitrusfr\u00fcchte auch am Gaumen; ausgesprochen frisch, mittellang im Abgang ohne jeglichen Anflug von botrytisbedingten Bitternoten<\/p>\n<p>Zusammenfassung:<\/p>\n<p>kein gro\u00dfer aber ein guter bis sehr guter und vor allem unerwartet jugendlicher Wein, der trotz merkbarer Botrytispr\u00e4gung nicht eindimensional oder unangenehm wirkt; ein guter Begleiter zum (wenig s\u00fc\u00dfen) Vanilleparfait aber auch zum genu\u00dfvollen Weitertrinken nach dem Dessert<\/p>\n<p>Gut das noch ein paar Flaschen in unserer Privatvinothek schlummern&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch bei langj\u00e4hriger Erfahrung ist das Einsch\u00e4tzen des Reifepotentials von Weinen immer mit einer mehr oder weniger gro\u00dfen Portion Wahrsagerei verbunden. 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