{"id":1240,"date":"2009-04-14T05:58:32","date_gmt":"2009-04-14T04:58:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1240"},"modified":"2009-04-14T05:58:32","modified_gmt":"2009-04-14T04:58:32","slug":"weinrallye-22-regionale-spezialitaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1240","title":{"rendered":"Weinrallye #22 &#8211; Regionale Spezialit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<p>Mit der heutigen 22. Etappe ist die\u00a0<a href=\"http:\/\/winzerblog.de\/weinrallye\/\">Wein(blog)rallye<\/a> wieder bei ihrem Erfinder Thomas Lippert vom <a href=\"http:\/\/www.winzerblog.de\">Winzerblog<\/a> gelandet. Traditionellerweise besch\u00e4ftigen sich im Rahmen dieser Rallye alle deutschsprachigen <a href=\"http:\/\/www.genussblogs.net\">Genussblogs<\/a> die Lust dazu haben mit einem Thema, das der Ausrichter der jeweiligen Etappe vorgibt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/winzerblog.de\/weinrallye-22-regionale-spezialitaeten-1900\/\">Thomas Vorgabe f\u00fcr die 22. Etappe<\/a> sind &#8222;regionale Spezialit\u00e4ten, fl\u00fcssig, trinkbar und in eurer Region produziert&#8220;. Und auch wenn er dabei sogar Bier, Wasser, Schnaps, Tee, Kaffee, Limo oder Milch akzeptieren w\u00fcrde, kommt f\u00fcr mich nat\u00fcrlich nur Wein in Frage. Keines der anderen Getr\u00e4nke hat bei uns den Charakter einer regionalen Spezialit\u00e4t, der Wein daf\u00fcr aber um so mehr.<\/p>\n<p>An und f\u00fcr sich halte ich alle unsere Weine f\u00fcr regionale Spezialit\u00e4ten, weil ich mich bem\u00fche, durch eine zur\u00fcckhaltende Kellerwirtschaft die geschmacklichen Eigenheiten von Boden und Klima im Wein zu bewahren.<\/p>\n<p>Weil es aber selbstverst\u00e4ndlich nicht der Sinn einer Weinrallye sein kann, meine eigenen Weine zu bewerben (daf\u00fcr gibt es au\u00dferdem unsere <a href=\"www.grenzhof-fiedler.at\">Betriebswebsite<\/a>, nicht diesen Blog), und weil Wein als Kategorie f\u00fcr regionale Spezialit\u00e4ten doch etwas zu allgemein ist, besch\u00e4ftige ich mich mit jenen Weinen, die ganz besonders regional speziell sind bzw. zumindest sein k\u00f6nn(t)en.<\/p>\n<p>Ginge ich bei meiner Auswahl nach\u00a0&#8222;Weinarten&#8220; vor, m\u00fc\u00dfte ich zweifellos \u00fcber die hochgradigen S\u00fc\u00dfweine aus edelfaulen Trauben schreiben. Mit Beerenauslese, Ausbruch und Trockenbeerenauslese spielt das Burgenland am ehesten in der internationalen Liga der Top-Spezialit\u00e4ten mit.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte aber\u00a0die Gelegenheit der Weinrallye nutzen, um \u00fcber eine bestimmte Traubensorte zu schreiben. Denn bei all unserer Vielfalt an hochwertigen Sorten und dem allgemeinen Anspruch, regionaltypische Weine zu keltern, gibt es eine, die ganz besonders heraussticht: <!--more--><\/p>\n<h1>Blaufr\u00e4nkisch<\/h1>\n<p>Wenn eine Sorte in der Lage ist, unsere Region mit all ihren Facetten im Glas schmeckbar zu machen, dann ist es der Blaufr\u00e4nkisch. Er hat Tradition, Eigenst\u00e4ndigkeit und vor allem die F\u00e4higkeit zur feinen Nuance.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es ihn auch anderswo: Im deutschen W\u00fcrttemberg als &#8222;Lemberger&#8220;, in den Nachfolgestaaten der Doppelmonarchie, ja sogar in Washington State in den USA.<\/p>\n<p>Am ehesten ausgesch\u00f6pft wird sein Potential aber im westpannonischen Raum, also dem Burgenland, einer kleinen Enklave im benachbarten Weinbaugebiet Carnuntum und in Sopron\/\u00d6denburg, der historischen Hauptstadt der Region, von der uns seit 1921 die Grenze zwischen \u00d6sterreich und Ungarn trennt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" style=\"border: 0px;\" title=\"Rotweinbeere, Foto: Wein Burgenland\/Lukan\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2009\/04\/rotweinbeere-komprimiert.jpg\" alt=\"Rotweinbeere, Foto: Wein Burgenland\/Lukan\" \/><\/p>\n<p><strong>Tradition<\/strong><\/p>\n<p>Lange Zeit war der Blaufr\u00e4nkisch in vielen Kellern der Region die einzige Rotweinsorte. St. Laurent und Pinot Noir sind zwar ebenfalls schon sehr lange im Burgenland beheimatet, spielten aber nur eine recht kleine Nebenrolle. (Auch wenn beide an Fl\u00e4che gewonnen haben, hat sich daran bis heute wenig ge\u00e4ndert.)<\/p>\n<p>Woher der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blaufr%C3%A4nkisch\">Blaufr\u00e4nkisch<\/a> kam, l\u00e4\u00dft sich wie bei den meisten traditionellen Reben nicht sagen. Und auch\u00a0woraus er entstanden ist, konnte bisher nur zum Teil gekl\u00e4rt werden. Eine seiner Elternsorten d\u00fcrfte die alte, im Mittelalter in ganz Europa verbreitete Sorte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heunisch\">Heunisch<\/a>\u00a0sein.<\/p>\n<p>Der Blaufr\u00e4nkisch selbst wiederum ist ein Elternteil des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zweigelt\">Zweigelt<\/a>, der ab den 1960er-Jahren \u00f6sterreichweit massiv ausgepflanzt wurde und relativ schnell die bis dahin wichtigsten Rotweinsorten Blaufr\u00e4nkisch und Blauer Portugieser in der Sortenstatistik \u00fcberholt hat.<\/p>\n<p>Auch im Burgenland konnte der Zweigelt Fu\u00df fassen, nicht zuletzt, weil er zug\u00e4nglichere Weine erbringt, als der Blaufr\u00e4nkisch. Im Weinbaugebiet Neusiedlersee, in dem bis in die 70er-Jahre nur sehr wenig Rotwein produziert wurde, schaffte es der Zweigelt sogar zur Nummer 1.<\/p>\n<p>Trotzdem gibt es nur wenige burgenl\u00e4ndische Winzer, die den Blaufr\u00e4nkisch nicht als hochwertiger erachten. Auch deshalb landen die besten Zweigelt-Chargen in den allermeisten F\u00e4llen in Cuv\u00e9es, w\u00e4hrend es (mittlerweile) beim Blaufr\u00e4nkisch doch auch eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe an reinsortigen Spitzenweinen gibt.<\/p>\n<p><strong>Zweifel<\/strong><\/p>\n<p>Der Glaube an die Qualit\u00e4ten des Blaufr\u00e4nkischen war aber l\u00e4ngst nicht immer vorhanden. Im ersten Jahrzehnt des \u00f6sterreichischen Rotweinwunders, also etwa von Mitte der 1980er- bis Mitte der 90er-Jahre, \u00fcberwogen in sehr vielen Winzerk\u00f6pfen eher die Zweifel, ob es mit dem Blaufr\u00e4nkisch jemals gelingen k\u00f6nnte, international anerkannte Rotweine zu keltern.<\/p>\n<p>Es war die Zeit des Cabernet, etwas sp\u00e4ter (und weniger stark wahrgenommen, daf\u00fcr aber anhaltender) die des Merlot und in der Endphase auch jene des Syrah. Wer internationale Spitzenweine keltern m\u00f6chte, braucht dazu internationale Spitzensorten, lautete das Credo. Blaufr\u00e4nkisch war dagegen nur ein zuverl\u00e4ssiger Alltagswein im unteren und mittleren Preisbereich, bestenfalls &#8222;F\u00fcllmaterial&#8220; f\u00fcr die teuren Cuv\u00e9es.<\/p>\n<p>Man w\u00e4hnte sich auf dem richtigen Weg. Schlie\u00dflich dominierten reinsortige\u00a0Cabernets\u00a0und Cuv\u00e9es mit hohen Anteilen der internationalen Sorten die Ergebnislisten der (heimischen) Wettbewerbe. Da konnte es doch nur eine Frage der Zeit sein, bis die Qualit\u00e4t dieser Weine auch jenseits der Grenzen wahrgenommen werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckbesinnung<\/strong><\/p>\n<p>Aber die gro\u00dfe Anerkennung blieb aus. Internationale Meinungsbildner konstatierten zwar immer wieder\u00a0eine deutlich gestiegene Qualit\u00e4t der \u00f6sterreichischen Rotweine, bem\u00e4ngelten aber meist im selben Atemzug deren Austauschbarkeit und die zu starke Pr\u00e4gung durch den Barriqueausbau.<\/p>\n<p>Wodurch Trends und Weinmoden ausgel\u00f6st werden, l\u00e4\u00dft sich nie genau sagen. Ein wichtiger Faktor f\u00fcr die R\u00fcckbesinnung auf den Blaufr\u00e4nkisch war aber zweifellos dieses internationale Feedback. Zur gleichen Zeit ging auch die weltweite Cabernet-Mode zu Ende, gleichzeitig setzte aber fast \u00fcberall ein enormer Rotweinboom ein.<\/p>\n<p>Fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig hat in \u00d6sterreich der Zweigelt von diesem Boom am st\u00e4rksten profitiert. Der Blaufr\u00e4nkisch aber konnte in dieser Phase am meisten Anerkennung gewinnen.\u00a0Sp\u00e4testens ab Ende der 1990er begannen viele Winzer der Region den Blaufr\u00e4nkisch wieder st\u00e4rker in den Vordergrund zu stellen.<\/p>\n<p>Auch wenn die allermeisten dieser Weine immer noch sehr &#8222;international&#8220; ausgebaut wurden, waren sie aber immerhin aus der Traditionssorte gekeltert. Bei entsprechender Pflege und Ertragskontrolle im Weingarten war dem Blaufr\u00e4nkisch also doch genug Substanz und eine edle Tanninstruktur zuzutrauen.<\/p>\n<p><strong>Neues Selbstbewu\u00dftsein<\/strong><\/p>\n<p>Bis heute haben viele Betriebe die internationale Ausbauweise (d.h. eine eher wuchtige mit nicht zu hoher S\u00e4ure und deutlich schmeckbarem Holzeinsatz) des Blaufr\u00e4nkisch perfektioniert und erhalten daf\u00fcr regelm\u00e4\u00dfig sowohl in \u00d6sterreich als auch im Ausland gute Noten.<\/p>\n<p>Die Topstars der Weinmedien sind aber gerade in den letzten zwei, drei Jahren andere. Mehr oder weniger heimlich, still und leise haben sich n\u00e4mlich einige wenige Kollegen einem puristischen Blaufr\u00e4nkisch-Stil verschrieben, der bei manchen Profi-Verkostern offenbar sehr gut ankommt, auch wenn er nicht unbedingt dem\u00a0Typus eines klassischen Blindverkostungssiegers entspricht.<\/p>\n<p>Geschickt als avantgardistische Gegenbewegung zum Mainstream in Szene gesetzt, propagieren sie einen wesentlich schlankeren, von der S\u00e4ure getragenen und mit wenig Holzeinsatz vinifizierten Stil der Traditionssorte Blaufr\u00e4nkisch.<\/p>\n<p>Und wurden prompt mit der <a href=\"http:\/\/www.weinausoesterreich.at\/aktuell\/info_parker.html\">bislang h\u00f6chsten Punktebewertung des Wine Advocate\u00a0f\u00fcr einen \u00f6sterreichischen Rotwein<\/a> belohnt, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass die Weine nicht von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Robert_Parker\">Robert Parker<\/a> himself, sondern von seinem Assistenten David Schildknecht verkostet wurden. W\u00e4hrend Parker n\u00e4mlich eher \u00fcppige Weine bevorzugt, scheint Schildknecht das feingliedrig-w\u00fcrzige dieser Blaufr\u00e4nkischen besonders zu m\u00f6gen.<\/p>\n<p><strong>Und die Zukunft?<\/strong><\/p>\n<p>Wirklich mehrheitsf\u00e4hig scheint mir diese &#8222;reine Blaufr\u00e4nkisch-Lehre&#8220; aber nicht zu sein. Der Grat zwischen &#8222;feingliedrig&#8220; und &#8222;d\u00fcnn&#8220;, zwischen &#8222;gut strukturiert&#8220; und &#8222;sauer&#8220; und zwischen &#8222;fruchtbetont-w\u00fcrzig&#8220; und &#8222;unreif-gr\u00fcn&#8220;, auf dem sich diese Weine bewegen, ist schmal.<\/p>\n<p>Die Konsumenten-Zielgruppe, die dazwischen unterscheiden kann und will, ist klein. Und die Zahl der Winzer, die den Balanceakt schaffen will und kann ist wohl auch nicht besonders gro\u00df.<\/p>\n<p>Trotzdem ist diese Entwicklung der j\u00fcngeren Blaufr\u00e4nkisch-Geschichte ein wichtiger Impuls, der die Bedeutung des Blaufr\u00e4nkisch als eigenst\u00e4ndige Spezialit\u00e4t unserer Region weiter steigern wird.<\/p>\n<p>Mit etwas Gl\u00fcck gibt es in den kommenden Jahren (wieder) vermehrt Einstiegsweine aus der Sorte, die mit 13 oder weniger Prozent Alkohol auskommen, und deren S\u00e4ure und Tannin nicht v\u00f6llig glattgeb\u00fcgelt sind. Und Spitzenblaufr\u00e4nkische, deren W\u00fcrze \u00fcberwiegend von der Traube und nicht vom Toasting der Barriques stammt.<\/p>\n<p>Auch wenn es angesichts seiner langen Geschichte und vor allem der enormen Qualit\u00e4tsentwicklung der letzten 25 Jahre vermessen erscheint: Ich glaube, dass der burgenl\u00e4ndische Blaufr\u00e4nkisch seine beste Zeit erst vor sich hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der heutigen 22. Etappe ist die\u00a0Wein(blog)rallye wieder bei ihrem Erfinder Thomas Lippert vom Winzerblog gelandet. Traditionellerweise besch\u00e4ftigen sich im Rahmen dieser Rallye alle deutschsprachigen Genussblogs die Lust dazu haben mit einem Thema, das der Ausrichter der jeweiligen Etappe vorgibt. Thomas Vorgabe f\u00fcr die 22. 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