{"id":1203,"date":"2009-04-04T12:31:57","date_gmt":"2009-04-04T11:31:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1203"},"modified":"2009-04-04T12:35:49","modified_gmt":"2009-04-04T11:35:49","slug":"denkwurdige-jahrgange-1993","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1203","title":{"rendered":"Denkw\u00fcrdige Jahrg\u00e4nge: 1993"},"content":{"rendered":"<p>1993 war bei uns einer der besseren Jahrg\u00e4nge der letzten Zeit. Ein milder Fr\u00fchling brachte einen deutlichen Vegetationsvorsprung, der trotz des nicht besonders auff\u00e4lligen Sommers bis zur Ernte erhalten blieb.<\/p>\n<p>Anders als im Trockenjahr 1992 gab es im Juli und August zwischendurch immer wieder ergiebige Regenschauer, die die Reben mit Wasser versorgten.\u00a0Das f\u00fchrte dazu, dass der S\u00e4uregehalt der Trauben auffallend hoch blieb, obwohl die Zuckergrade sehr fr\u00fch nach oben kletterten.<\/p>\n<p>Die Ernte begann fr\u00fch und erbrachte eine zufriedenstellende Menge gesunder Trauben. Nur ganz vereinzelt fanden sich von Edelf\u00e4ule befallene Beeren, und nur beim Pinot blanc lohnte sich deren Verwertung zu einer kleinen Menge Beerenauslese. <!--more--><\/p>\n<p>In ihrer Jugend waren die Wei\u00dfweine des Jahrgangs 1993 ausgesprochen fruchtbetont und frisch und trotzdem sehr gehaltvoll. Mit ihrer rassigen S\u00e4ure lagen Sie perfekt im Trend der damaligen Zeit. Pinot blanc und Chardonnay haben sich auch in der Flasche \u00fcber Jahre hinweg sch\u00f6n entwickelt und bieten Freunden reifer Weine bis heute ein spannendes Erlebnis.<\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht, d.h. mit etwas mehr Wissen und Erfahrung um <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=56\">die Komplexit\u00e4t des Themas Traubenreife<\/a> und im Trend zu ausgewogeneren Weinen, haben wir damals manche Wei\u00dfweintrauben wahrscheinlich etwas zu fr\u00fch geerntet.<\/p>\n<p>Angesichts der trotzdem durchaus gute Entwicklung der Weine und der Probleme vieler Kollegen mit\u00a0(speziell in Jahren wie z.B. dem direkten Vorg\u00e4nger 1992 aber auch\u00a01994, 2000 und 2003)\u00a0zu sp\u00e4t gelesenen Wei\u00dfweinen stellt dieses sp\u00e4te Urteil aber keinen wirklichen Wermutstropfen dar.<\/p>\n<p>Bei den Rotweinen standen wir 1993 noch eher am Anfang. Schlie\u00dflich haben bewu\u00dfte Ertragsreduktion durch Ausd\u00fcnnen, biologischer S\u00e4ureabbau und die Lagerung in Barriques erst 1990 Einzug in unseren Keller gehalten.<\/p>\n<p>Zwei Rotweine sind mir dennoch bis heute in Erinnerung geblieben. 1993 gab es einen ungew\u00f6hnlich gehaltvollen klassischen Blaufr\u00e4nkisch und den ersten reinsortigen &#8211; meinen &#8211;\u00a0Cabernet Sauvignon.<\/p>\n<p><strong>Meine erste Ernte und mein erster Cabernet<\/strong><\/p>\n<p>Abgesehen von der Weinqualit\u00e4t ist 1993 f\u00fcr mich aus einem ganz anderen Grund denkw\u00fcrdig: Es war mein allererster Jahrgang! Im Juni habe ich die Weinbauschule Klosterneuburg mit der Matura abgeschlossen, im Sommer war ich nebenbei als Ferialpraktikant in der Weinakademie t\u00e4tig, und bei der Lese war ich erstmals Kellermeister.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Crash-Kurs in (seiner) Kellerpraxis \u00fcberlie\u00df mir mein Vater die komplette Verantwortung f\u00fcr die Weinbereitung des 1993ers.\u00a0So war trotz allem theoretischen Wissen vor allem &#8222;Learning by Doing&#8220; angesagt, und das in der hektischsten Zeit des Jahres.<\/p>\n<p>Eine der ersten Erkenntnisse dabei war, dass die Kellerarbeit nach seinem Schema der m\u00f6glichst geringf\u00fcgigen Eingriffe in die Weinwerdung weit weniger spannend ist, als ich in meinem jugendlichen Gestaltungsdrang angenommen hatte. So &#8222;klagte&#8220; ich schon nach wenigen Tagen dar\u00fcber, dass zumindest 70 Prozent der T\u00e4tigkeiten im Keller langweilige Reinigungsarbeiten sind.<\/p>\n<p>Beim Cabernet Sauvignon durfte ich noch fr\u00fcher Verantwortung \u00fcbernehmen. Schon w\u00e4hrend der letzten Schulmonate im Fr\u00fchling \u00fcbernahm ich die Pflege unseres jungen (und damals einzigen) Weingartens, der mit dieser Sorte bepflanzt war.<\/p>\n<p>Die vielen Arbeitsstunden, die ich dort verbrachte trugen mir im Ort den Ruf ein, jede einzelne Beere so gut zu kennen, dass ich sie mit dem Vornamen ansprechen k\u00f6nnte. Tats\u00e4chlich war der Cabernet von 1993 an der Wein, bei dem wir viele neue Qualit\u00e4tsma\u00dfnahmen zuerst ausprobiert haben, bevor wir sie (meist bald danach) auch bei Blaufr\u00e4nkisch und Zweigelt eingesetzt haben.<\/p>\n<p>Auch wenn mein zweiter Cabernet im Jahr 1994\u00a0zweifellos noch besser gelungen ist (und bis zum 2000er unser interner Rotweinma\u00dfstab war): Der erste ist trotzdem etwas ganz besonderes.<\/p>\n<p>Kein gro\u00dfer, aber ein feiner Rotwein mit reifen Tanninen, passendem Holzeinsatz, einer w\u00fcrzigen Nase mit einem leichten Anflug von Paprika und wie sich bis heute zeigt, durchaus Potential f\u00fcr 15 und mehr Jahre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1993 war bei uns einer der besseren Jahrg\u00e4nge der letzten Zeit. Ein milder Fr\u00fchling brachte einen deutlichen Vegetationsvorsprung, der trotz des nicht besonders auff\u00e4lligen Sommers bis zur Ernte erhalten blieb. 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