{"id":1198,"date":"2009-04-01T22:31:27","date_gmt":"2009-04-01T21:31:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1198"},"modified":"2009-04-01T22:31:27","modified_gmt":"2009-04-01T21:31:27","slug":"blindverkoster-sind-auch-nur-menschen-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1198","title":{"rendered":"Blindverkoster sind auch nur Menschen (6)"},"content":{"rendered":"<p>Auch die ge\u00fcbtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewu\u00dft, dass irren zum Menschsein dazugeh\u00f6rt und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleing\u00fcltige Meinung geben kann.<\/p>\n<p>Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, z\u00e4hlen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen:<\/p>\n<p><strong>Einige Lehren und kein Ergebnis<\/strong><\/p>\n<p>Vergangene Woche haben wir im Rahmen einer Veranstaltung unseres Weinbauvereines versucht, die heimischen Rotweinpr\u00e4mierungen des Jahrgangs 2006 teilweise nachzustellen. Und wie bei einer derart hochrangigen Besetzung nicht anders zu erwarten, war es ein wirklich spannender Abend.<\/p>\n<p>Wer aber auf ausgekl\u00fcgelte Beschreibungen oder gar Punktebewertungen hofft, den mu\u00df ich leider entt\u00e4uschen. Beides habe ich zwar mehr oder weniger ausf\u00fchrlich und erfolgreich versucht, die aufschlu\u00dfreichsten Erfahrungen des Abends liegt aber f\u00fcr mich ganz wo anders: <!--more--><\/p>\n<p>1.<\/p>\n<p>Reihungen und Bewertungen von Weinen im obersten Qualit\u00e4tsbereich sagen mehr \u00fcber die Bewerter aus, als \u00fcber die Weine.<\/p>\n<p>Die Differenzen zwischen unserer Einsch\u00e4tzung und den Bewertungen der verschiedenen Fachmedien lassen den Schlu\u00df zu, dass Modestr\u00f6mungen und die pers\u00f6nlichen Vorlieben der Verkoster, Verkostungsmodalit\u00e4ten (wie Zeitpunkt und Reihung) und die individuelle Verwendung ein und desselben Punkteschemas einen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df auf das Endergebnis haben, als die Weine selbst.<\/p>\n<p>Polemisch formuliert k\u00f6nnte man auch sagen, dass ein W\u00fcrfeln der Ergebnisse der Spitzenweine ein ebenso &#8222;richtiges&#8220; und &#8222;gerechtes&#8220; Ergebnis erbringen w\u00fcrde, wie das Verkosten. (Wobei nat\u00fcrlich die Frage offen bleibt, ob und wie man die Spitzenweine von den gehobenen Durchschnittsweinen trennen kann.)<\/p>\n<p>Manche Verkoster sehen in\u00a0dieser Aussage vielleicht das Eingest\u00e4ndnis mangelnden K\u00f6nnens und werden sie weit von sich weisen, die meiner Meinung nach guten Sensoriker trachten aber danach, diese Selbstzweifel nie vollig abzulegen.<\/p>\n<p>2.<\/p>\n<p>Es gibt ein Rezept f\u00fcr Siegerweine. Zugegeben, es ist nicht todsicher, aber wie auch unsere Verkostung gezeigt hat, funktioniert es doch gar nicht so selten.<\/p>\n<p>Man nehme einen Wein guter Ausgangsqualit\u00e4t mit kr\u00e4ftigem Geschmack, K\u00f6rper und Alkohol und trimme ihn gekonnt mit Holzeinsatz, Tannin-, S\u00e4ure- und Restzuckermanagement.\u00a0Keine Angst, wenn es &#8222;gut&#8220; gemacht ist, darf\u00a0das Endprodukt ruhig etwas &#8222;gemacht&#8220; wirken, denn das Ziel ist nicht die h\u00f6chste Wertung jedes einzelnen Jurymitgliedes.<\/p>\n<p>Siegerweine erhalten n\u00e4mlich mitunter von keinem einzigen Juror seine pers\u00f6nlichste H\u00f6chstnote, zum Sieger macht sie der beste Punktedurchschnitt. Und den bekommt man nicht selten angesichts Punkt 1 leichter mit einem auf hohen Niveau &#8222;gemachten&#8220; Wein, dem alle Verkoster die zweit- oder dritth\u00f6chste Bewertung geben, als mit einem herausfordernden Star, den erst seine Widerspr\u00fcche, seine Ecken und Kanten zu einem solchen machen.<\/p>\n<p>Den heben n\u00e4mlich zwar einzelne Degustatoren in den Himmel, die Mehrzahl bleibt aber vorsichtshalber bei den niedrigeren Punkten und ebnet ihm damit den Weg in die solide Mittelklasse (wo er nun \u00fcberhaupt nicht hingeh\u00f6rt).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1032\" target=\"_self\">Hier<\/a> gehts zu Teil 1 mit Links zu allen Folgen. Und hier die Liste der verkosteten Weine:<\/p>\n<blockquote><p>Titan 2006, Weingut Tesch, \u20ac 33,50<\/p>\n<p>Blaufr\u00e4nkisch Spitzerberg 2006, Weingut Trapl, \u20ac 22,-<\/p>\n<p>Blaufr\u00e4nkisch Chevalier 2006, Weingut Iby, \u20ac15,-<\/p>\n<p>Blaufr\u00e4nkisch Reserve 2006, G\u00fcnter Triebaumer, \u20ac 19,-<\/p>\n<p>Syrah 2006, Weingut Gager, \u20ac29,-<\/p>\n<p>Syrah 2006, Winzerhof Schindler, \u20ac 18,-<\/p>\n<p>Cuv\u00e9e d\u00b4Or 2006, Weingut Franz Schindler, \u20ac 23,-<\/p>\n<p>Caro 2006, Weingut Franz Sommer<\/p>\n<p>Pannobile 2006, Weingut Gernot Heinrich, \u20ac 21,60<\/p>\n<p>Bela Rex 2006, Weingut Gesellmann, \u20ac 30,-<\/p>\n<p>Merlot 2006, Weingut Scheiblhofer, \u20ac 21,-<\/p>\n<p>Merlot Reserve Dornfeld 2006, Johanneshof Reinisch,\u00a0\u20ac 18,-<\/p>\n<p>Merlot Schneiderteil 2006, Weingut Esterhazy, \u20ac 23,-<\/p>\n<p>Blaufr\u00e4nkisch Hochberc 2006, Weingut Gesellmann, \u20ac 32,-<\/p>\n<p>Sch\u00f6nberger Rot (BF) 2006, Weingut Sch\u00f6nberger, \u20ac 29,-<\/p>\n<p>Blaufr\u00e4nkisch Quintus 2006, Weingut Iby, \u20ac 25,-<\/p>\n<p>Rosenberg 2006, Weingut Gerhard Markowitsch, \u20ac 27,-<\/p>\n<p>Gabarinza 2006, Weingut Gernot Heinrich, \u20ac 33,-<\/p>\n<p>Altenberg 2006, Weingut Franz Sommer<\/p>\n<p>Cabernet Sauvignon 2006, Weingut Scheiblhofer, \u20ac 21,-<\/p>\n<p>Cabernet Sauvignon 2006, Weingut Franz Schindler, \u20ac 19,-<\/p>\n<p>Cabernet Sauvignon 2006, Weingut Grenzhof-Fiedler, \u20ac 16,-<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch die ge\u00fcbtesten (Blind-)Verkoster sind nur Menschen. 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