{"id":1180,"date":"2009-03-24T23:41:42","date_gmt":"2009-03-24T22:41:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1180"},"modified":"2009-03-24T23:42:25","modified_gmt":"2009-03-24T22:42:25","slug":"der-glaserne-wein-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1180","title":{"rendered":"Der gl\u00e4serne Wein (13)"},"content":{"rendered":"<p>In dieser Serie stelle ich, wie im <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=421\">ersten Beitrag<\/a> angek\u00fcndigt, jene Weinbehandlungsmittel und -zusatzstoffe ausf\u00fchrlich vor, die in unserem Keller bei der Weinbereitung zum Einsatz kommen. Das Gesamtbild unserer &#8222;gl\u00e4sernen&#8220; Weine entsteht dabei nach und nach <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?cat=20\">in der entsprechenden Beitragskategorie<\/a> und in Form von Querverweisen zu den einzelnen Teilen dieser Serie unterhalb des ersten Beitrages.<\/p>\n<p><strong>Kieselgur und Zellulose<\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Weg von der Traube in die Flasche werden die allermeisten Weine irgendwann mittels mechanischer Filter von Trubstoffen befreit. Wie und warum man das macht, habe ich <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=138\">hier<\/a> schon einmal beschrieben.<\/p>\n<p>Die dabei verwendeten Hilfsstoffe fallen zwar nur bei einer \u00e4u\u00dferst weit greifenden Auslegung in die Kategorie &#8222;Weinbehandlungsmittel&#8220; (und geh\u00f6ren definitiv nicht zu den &#8222;Zusatzstoffen&#8220;), sollen hier aber trotzdem kurz erw\u00e4hnt werden. Schlie\u00dflich werden sie ja bei der Anschwemmfiltration tats\u00e4chlich f\u00fcr kurze Zeit dem Wein zugegeben. <!--more--><\/p>\n<p>Aber der Reihe nach: Unter Zellulose kann sich wohl jeder zumindest ein bi\u00dfchen etwas vorstellen. Was aber ist Kieselgur? Wie man <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kieselgur\" target=\"_blank\">hier<\/a> sehr ausf\u00fchrlich nachlesen kann, handelt es sich dabei um ein Pulver, das \u00fcberwiegend aus den Schalen fossiler Kieselalgen besteht. Im Prinzip also ein nicht wirklich festes urzeitliches Sedimentgestein, das aus Algenablagerungen entstanden ist und heute vielf\u00e4ltig gen\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Im Weinbereich findet Kieselgur deshalb Verwendung, weil es beim Zusammenlagern viele kleine Poren bildet, die geeignet sind, den Wein passieren zu lassen, Trubstoffe aber nicht. \u00c4hnliche Eigenschaften hat &#8211; wenn auch auf ganz anderer physikalischer Basis auch Zellulose. Entsprechend gereinigt sind beide Substanzen v\u00f6llig geschmacksneutral.<\/p>\n<p><strong>In der Praxis<\/strong><\/p>\n<p>Wie sehr viele Weinbaubetriebe weltweit n\u00fctzen auch wir die Anschwemmfiltration f\u00fcr eine erste Kl\u00e4rung der tr\u00fcben Jungweine. Dabei wird den Weinen in einem Ger\u00e4t kontinuierlich eine kleine Menge Kieselgur zugegeben, das sich wenige Sekunden sp\u00e4ter gemeinsam mit den Trubstoffen des Weines an ein feines Sieb aus Edelstahl anlagert.<\/p>\n<p>Die Kontaktzeit mit dem Kieselgur ist also \u00e4u\u00dferst gering, und die Gr\u00f6\u00dfe der Kieselgurteilchen in Verh\u00e4ltnis zu den verwendeten Sieben stellt sicher, dass kein Kieselgur im Wein verbleibt.<\/p>\n<p>Die Feinfiltration als Vorbereitung auf die Abf\u00fcllung erfolgt bei uns mit dem Schichtenfilter. Dabei kommen fest gepre\u00dfte Platten aus Zellulose und Kieselgur zum Einsatz, die vor dem Start der Filtration so lange mit Wasser durchgesp\u00fclt werden, bis auch die letzte Zellulosefaser nicht mehr nach Pappe schmeckt.<\/p>\n<p>Der Wein flie\u00dft bei diesem Verfahren durch eine feste Filterplatte und hat so zwar Kontakt mit den Filterhilfsstoffen, nimmt diese aber nicht auf.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Filterhilfsstoffe Kieselgur und Zellulose sind keine echten Weinbehandlungsmittel und schon gar keine Zusatzstoffe. Dar\u00fcber hinaus sind beide nat\u00fcrlichen Ursprungs, geschmacksneutral und unproblematisch.<\/p>\n<p>Wenn eine Filtration negative Auswirkungen auf den Wein hat, liegt es nicht an den Filtermedien, sondern am falschen (n\u00e4mlich zu fr\u00fchen) Zeitpunkt und\/oder nicht an den Tr\u00fcbungsgrad des Weines angepa\u00dfte Filtermethoden.<\/p>\n<p>Um die Belastung des Weines (und damit auch den Verbrauch an Filterhilfsmitteln) so gering wie m\u00f6glich zu halten, n\u00fctzen wir das nat\u00fcrliche Absetzen der Trubstoffe so lange wie m\u00f6glich und filtrieren sp\u00e4t und nur so fein, wie unserer Meinung nach f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Weines notwendig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dieser Serie stelle ich, wie im ersten Beitrag angek\u00fcndigt, jene Weinbehandlungsmittel und -zusatzstoffe ausf\u00fchrlich vor, die in unserem Keller bei der Weinbereitung zum Einsatz kommen. 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