{"id":107,"date":"2006-11-06T00:51:18","date_gmt":"2006-11-05T22:51:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=107"},"modified":"2006-12-17T00:33:47","modified_gmt":"2006-12-16T23:33:47","slug":"ein-zwischenbericht-aus-dem-weinkeller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=107","title":{"rendered":"Ein Zwischenbericht aus dem Weinkeller"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Ende der G\u00e4rung und dem Abziehen vom Gel\u00e4ger verlangsamt sich die Entwicklung der Jungweine deutlich. Dementsprechend wird das Zeitfenster, in dem einzelne Ma\u00dfnahmen erledigt werden m\u00fcssen immer gr\u00f6\u00dfer, und die Abst\u00e4nde zwischen den Aktivit\u00e4ten immer l\u00e4nger.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Die Wei\u00dfweine<\/strong><\/p>\n<p>Vor gut einer Woche hat auch der letzte Tank (ein hochreifer Wei\u00dfburgunder) seine G\u00e4rung trocken beendet. Die Welschrieslinge, Veltliner und\u00a0Muskat Ottonels sowie ein Wei\u00dfburgunder sind vom Gel\u00e4ger abgezogen und reifen leicht tr\u00fcb auf der Feinhefe vor sich hin. Alle Beh\u00e4lter sind voll und ma\u00dfvoll geschwefelt und werden von Tag zu Tag ein klein wenig klarer, da langsam auch ein Teil der kleineren Trubpartikel zu Boden sinkt.<\/p>\n<p>Einige andere Weine\u00a0sind zwar ebenso geschwefelt, wurden noch nicht abgezogen und reifen (noch) auf der kompletten Hefe.\u00a0 Der zuletzt vergorene Wei\u00dfburgunder im Tank, ein weiterer Wei\u00dfburgunder, ein Chardonnay und der Ros\u00e9 im traditionellen Fa\u00df. Au\u00dfer beim Ros\u00e9 r\u00fchre ich die Hefe etwa w\u00f6chentlich auf, um reduktive Stinkerl (B\u00f6ckser) zu vermeiden und die geschmackliche Wirkung der Hefe bestm\u00f6glich auszun\u00fctzen (Cremigkeit, aromatische Komplexit\u00e4t, Stabilit\u00e4t,&#8230;).<\/p>\n<p>Die Wei\u00dfweine in Barriques (mehrere Chardonnays, ein Wei\u00dfburgunder und ein Neuburger) stehen in unserem geheizten Etikettierraum bei etwa 20 bis 21\u00b0C. M\u00f6glicherweise (und hoffentlich)\u00a0haben sie schon mit dem biologischen S\u00e4ureabbau begonnen. In ein paar Tagen werde ich sie einmal analysieren.<\/p>\n<p>Um einer m\u00f6glichen Oxidation vorzubeugen (die Weine\u00a0d\u00fcrfen\u00a0vor dem biologischen S\u00e4ureabbau nicht geschwefelt werden) r\u00fchre ich t\u00e4glich die Hefe auf, die in den kleinen F\u00e4ssern sehr rasch zu Boden sinkt.<\/p>\n<p><strong>Die Roten<\/strong><\/p>\n<p>Alle f\u00fcnf (gro\u00dfen, traditionellen) F\u00e4sser Zweigelt sind bereits mit dem S\u00e4ureabbau fertig. Bis auf eine Pre\u00dfweincharge habe ich sie auch schon alle von der Hefe abgezogen, dabei bel\u00fcftet und ein wenig SO2 zugegeben.<\/p>\n<p>Auch zwei Blaufr\u00e4nkische in traditionellen F\u00e4ssern sowie der, den wir sofort nach dem Pressen in Barriques gef\u00fcllt haben, haben den S\u00e4ureabbau schon beendet. Die anderen Chargen unserer Hauptsorte werden noch beheizt (elektrisch mit Heizstab im Fa\u00df) und stehen entweder noch vor dem S\u00e4ureabbau, sind mittendrin oder vielleicht schon ziemlich am Ende.<\/p>\n<p>Auch der Cabernet ist in dieser Phase. Wie der Chardonnay steht er in Barriques in unserem beheizten Etikettierraum.<\/p>\n<p><strong>Und die S\u00fc\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p>Traminer Sp\u00e4t-\/Auslese, Wei\u00dfburgunder Auslese und Neuburger Beerenauslese sind am Donnerstag zur G\u00e4rungsunterbrechung steril filtriert worden und reifen nun schwefelstabil und strahlend klar vor sich hin. Wie schon beschrieben haben wir den Zeitpunkt sensorisch und analytisch gesehen optimal erwischt. Die starke Kl\u00e4rung der Moste vor der G\u00e4rung\u00a0und der Beinahe-G\u00e4rstillstand nach zwei kalten N\u00e4chten im Freien haben die Filtration sehr erleichtert und den Weinen viel\u00a0Stre\u00df erspart. Selbst unmittelbar danach waren die Weine kaum irritiert.<\/p>\n<p><strong>Wie gut ist 2006 wirklich?<\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zu vielen anderen war ich bisher sehr vorsichtig bei der Einsch\u00e4tzung des neuen Jahrgangs. 2006 war ein Jahr der Wetterextreme: Ein langer, kalter und schneereicher Winter, ein na\u00dfkalter Fr\u00fchling, \u00fcbergangslos ein rekordverd\u00e4chtiger Hochsommer ab Mitte Juni, ebenso \u00fcbergangslos ein kalter und sehr feuchter August, gefolgt von einem warmen Altweibersommer ohne Nebel und mit minimalen Niederschlagsmengen.<\/p>\n<p>Die Lese der meisten Sorten erfolgte bei hoher Traubenreife am Beginn zur \u00dcberreife und zur Botrytisbildung. Im nachhinein betrachtet kann man wohl von einem punktgenauen Lesetermin sprechen. Die Roten sind farbintensiv mit reifen Tanninen. Wei\u00df- und Rotweine zeigen eine klare, intensive Fruchtigkeit und\u00a0eine elegante Harmonie von\u00a0S\u00e4ure, K\u00f6rper und Alkohol.<\/p>\n<p>Damit konnte man w\u00e4hrend der Lese nicht unbedingt rechnen, da schwer einzusch\u00e4tzen war, wie sich die teilweise sehr weichen Beerenschalen und der vereinzelte Botrytisbefall auswirken w\u00fcrde. Selbst Nebel oder Tau h\u00e4tte gen\u00fcgt, um die Situation f\u00fcr trockene, fruchtbetonte Weine binnen Stunden dramatisch zu verschlechtern und dementsprechend hoch war der Druck bei der Ernte.<\/p>\n<p>2006 wird deshalb als besonders anstrengendes, aber\u00a0auch als besonders gl\u00fcckliches Jahr in unsere Betriebsgeschichte eingehen. Nachdem uns das Wetter das ganze Jahr \u00fcber jede\u00a0Menge Nervenkitzel bescherte (sp\u00e4ter Austrieb, Trockenheit im Juli, schlechtes Wetter im August), war uns doch ein Happy End verg\u00f6nnt:<\/p>\n<p>Das Jahr 2006 z\u00e4hlt zu den seltenen Jahrg\u00e4ngen, die Wei\u00df-, Rot- und S\u00fc\u00dfweine von hoher Qualit\u00e4t in vern\u00fcnftiger Menge erbracht haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Ende der G\u00e4rung und dem Abziehen vom Gel\u00e4ger verlangsamt sich die Entwicklung der Jungweine deutlich. Dementsprechend wird das Zeitfenster, in dem einzelne Ma\u00dfnahmen erledigt werden m\u00fcssen immer gr\u00f6\u00dfer, und die Abst\u00e4nde zwischen den Aktivit\u00e4ten immer l\u00e4nger.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-107","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-keller"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/107","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=107"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/107\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}