{"id":1032,"date":"2009-02-04T23:24:03","date_gmt":"2009-02-04T22:24:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1032"},"modified":"2009-02-04T23:31:44","modified_gmt":"2009-02-04T22:31:44","slug":"blindverkoster-sind-auch-nur-menschen-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1032","title":{"rendered":"Blindverkoster sind auch nur Menschen (1)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2006\/08\/bernhard-verkostung-komprimiert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-140\" style=\"margin: 0px; border: 1px;\" title=\"bernhard-verkostung-komprimiert\" src=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/wp-content\/uploads\/2006\/08\/bernhard-verkostung-komprimiert.jpg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"155\" \/><\/a>Manche Leute scheinen Weinexperten geradezu \u00fcbersinnliche F\u00e4higkeiten zuzuschreiben. Das liegt wahrscheinlich sowohl an der mitunter \u00fcberzogenen Selbstdarstellung einzelner Weinkenner, als auch an den immer wieder gerne strapazierten Klischees im Fernsehen. <\/p>\n<p>Selbst- oder fremdverliehene Titel a la &#8222;Weinpapst&#8220; und die nicht seltene TV-Darstellung von Weinverkostern, die dem Wein blind jedes Geheimnis bis hin zum Erntetermin und der Anzahl der Lesehelfer entlocken, hinterlassen offenbar einen bleibenden Eindruck.<\/p>\n<p>Dabei sind auch die ge\u00fcbtesten (Blind-)Verkoster nur Menschen. Und den besten von ihnen ist immer bewu\u00dft, dass irren zum Menschsein dazugeh\u00f6rt und es in (Wein-)Geschmacksfragen niemals eine richtige, eine alleing\u00fcltige Meinung geben kann.<\/p>\n<p>Verkostungserlebnisse, die mich daran erinnern, z\u00e4hlen deshalb zu meinen wichtigsten Erfahrungen: <!--more--><\/p>\n<p><strong>Mehr als nur knapp daneben<br \/>\nOder: Die T\u00fccken der eigenen Erwartungshaltung<\/strong><\/p>\n<p>Vor Jahren lud ein gut befreundeter Winzerkollege, der einen Praxisaufenthalt in Australien absolviert hatte, zur einer Verkostung von Spitzenweinen des f\u00fcnften Kontinents. Die Einladung war mehr als vielversprechend, denn laut beiliegender Weinliste sollte es inklusive Penfolds Grange alles aus Australien zu kosten geben, was Rang, Namen und Preis hat. Um aber ein gewisses Ma\u00df an Spannung aufrecht zu erhalten, gab die Liste keinerlei Aufschlu\u00df \u00fcber die Verkostungsreihenfolge.<\/p>\n<p>So diskutierten wir, ein Dutzend durchaus erfahrene Verkoster, lang und breit \u00fcber die Weine und vor allem nat\u00fcrlich deren Identit\u00e4t. Schlie\u00dflich verleiten solche Blindverkostungen dazu, sich mehr mit dem Bestimmen von leicht verifizierbaren Etikettenangaben zu besch\u00e4ftigen, als mit einer letztlich nie endg\u00fcltig &#8222;richtigen&#8220; Defininition von Farbe, Geruch und Geschmack.<\/p>\n<p>Als einer der Anwesenden den dritten Wei\u00dfwein als Chardonnay eines ganz bestimmten Weingutes aus Kalifornien identifizierte, wurde er von allen anderen, inklusive mir, kopfsch\u00fcttelnd bel\u00e4chelt. \u201cDer h\u00e4tte die Einladung doch besser lesen sollen, dann w\u00fcrde er sich hier nicht so blamieren&#8220;, war wohl nicht nur mein Gedanke.<\/p>\n<p>Bei den letzten drei Rotweinen war dieses heitere Zwischenspiel aber l\u00e4ngst wieder vergessen. Die Wogen gingen hoch, denn jeder war sicher, den (recht markanten und von den meisten Anwesenden schon des \u00f6fteren probierten) Penfolds Grange erkannt zu haben. Aber jeder bei einem anderen Wein! <\/p>\n<p>Als der Streit schlie\u00dflich zu eskalieren drohte, schritt der Gastgeber ein und l\u00fcftete das Geheimnis: Keiner der drei Weine war der aus Shiraz-Trauben gekelterte Grange. Alle drei Weine waren Cabernet Sauvignons. Und kein einziger Wein des ganzen Abends kam aus Australien, es waren durchwegs Kalifornier.<\/p>\n<p>Der Kollege mit dem Chardonnay-Tipp hatte nicht nur die Herkunft erraten, sondern auch Sorte, Weingut und Jahrgang. Zuf\u00e4lligerweise hatte er den gleichen Wein zwei Wochen zuvor intensiv verkostet und ihn sich offenbar gut eingepr\u00e4gt. <\/p>\n<p>Mehr als f\u00fcr diesen Gl\u00fcckstreffer (den er selbst ehrlicherweise auch als solchen betrachtete) bewundere ich ihn aber bis heute f\u00fcr den Mut, die eigene Verkoster-Meinung zu \u00e4u\u00dfern, auch wenn sie noch so abwegig erschien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manche Leute scheinen Weinexperten geradezu \u00fcbersinnliche F\u00e4higkeiten zuzuschreiben. Das liegt wahrscheinlich sowohl an der mitunter \u00fcberzogenen Selbstdarstellung einzelner Weinkenner, als auch an den immer wieder gerne strapazierten Klischees im Fernsehen. 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