{"id":1013,"date":"2009-06-08T22:57:54","date_gmt":"2009-06-08T21:57:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1013"},"modified":"2009-06-08T23:00:12","modified_gmt":"2009-06-08T22:00:12","slug":"die-unendliche-geschichte-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=1013","title":{"rendered":"Die unendliche Geschichte (1)"},"content":{"rendered":"<p>Auch wenn ich in diesem Blog gelegentlich \u00fcber die <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=199\">Diskussion<\/a> und <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=47\">die<\/a> <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=114\">Etablierung<\/a> von DAC-Weinen berichtet habe, schiebe ich den eigentlichen Kern der ganzen Sache schon lange vor mir her.<\/p>\n<p>Das kommt nicht von ungef\u00e4hr, denn schlie\u00dflich arbeite ich mich seit mehr als zehn Jahren im richtigen Leben am Thema herkunftsorientierte Weinbezeichnung ab, und will mir damit nicht auch noch meine <del datetime=\"2009-01-30T21:39:46+00:00\">Blog<\/del>Freizeit <del datetime=\"2009-01-30T21:39:46+00:00\">vermiesen<\/del> ausf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Nachdem die Sache jetzt auch f\u00fcr unser Gebiet konkret zu werden scheint, bleibt mir aber wohl gar nichts anderes \u00fcbrig, als dar\u00fcber zu bloggen. Um Nicht-Insider nicht zu \u00fcberfordern, werde ich es aber langsam (und in einer Serie) angehen, denn in einem einzigen Beitrag ist diese unendliche Geschichte ohnehin nicht zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>Am Anfang war das Wort<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es mu\u00df um 1995 gewesen sein, als der 1994 zum Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der \u00d6sterreichischen Weinwerbung bestellte Berthold Salomon in einem Interview mit der Tageszeitung &#8222;Der Standard&#8220; erstmals seine Linie zum Thema Herkunftsweine vorgab.<\/p>\n<p>Angesichts des jahrelang nicht immer nachvollziehbaren Diskussionsverlaufes erscheint es heute durchaus passend, dass er uns Weinbauern &#8211; seine Arbeitgeber &#8211; damals nicht direkt, sondern \u00fcber die Medien von seinen Zukunftsvisionen f\u00fcr die gesamte Branche informiert hat. Aber das ist Schnee von gestern&#8230;<\/p>\n<p>In den Folgejahren wurde das Feld auf allen Ebenen intensiv f\u00fcr die von Salomon erfundene und von den Spitzenfunktion\u00e4ren der Weinbauernschaft (vor)schnell akzeptierte DAC-Idee aufbereitet. Zuerst wurden folgende (und weitere) Problemfelder des \u00f6sterreichischen Weines definiert und immer wieder publiziert:<\/p>\n<p>\u00d6sterreichische Weinetiketten sind zu kompliziert!<\/p>\n<p>Das Sammelsurium von Sorten-, Lagen- und Gebietsangaben auf den Weinetiketten w\u00fcrde viele Konsumenten vom Kauf heimischer Weine abhalten, hie\u00df es.<\/p>\n<p>Und damit das auch jeder verstehen konnte, zitierte man nat\u00fcrlich nicht ein weit verbreitetes Etikett a la &#8222;Riesling Kremstal&#8220;, sondern den bezeichnungsrechtlichen Supergau, auch wenn der ziemlich selten ist und wohl eher gegen den Produzenten als gegen das Weingesetz spricht: &#8222;Riesling Kremser Kremsleiten Weinbaugebiet Kremstal&#8220;.<\/p>\n<p>\u00d6sterreichische Weine sind zu austauschbar!<\/p>\n<p>Wenn auf den Etiketten nicht die Herkunft, sondern die Rebsorte im Vordergrund steht, w\u00fcrden viele Konsumenten leichter zu Weinen aus anderen L\u00e4ndern wechseln, gab man zu bedenken. Vielen Weintrinkern w\u00fcrde gar nicht auffallen, dass sie Wein aus Tschechien, der Slowakei oder Ungarn trinken, solange &#8222;Gr\u00fcner Veltliner&#8220;, &#8222;Zweigelt&#8220; oder &#8222;Blaufr\u00e4nkisch&#8220; auf dem Etikett steht.<\/p>\n<p>Zur Illustration diente in diesem Fall eine Weinmarke, die damals um 19,90 Schilling (ca. 1,40 Euro) im Supermarktregal stand, und nach einigen schw\u00e4cheren Ernten und einem dadurch etwas gestiegenen Fa\u00dfweinpreis vor\u00fcbergehend so unauff\u00e4llig wie m\u00f6glich von \u00f6sterreichischem auf billigeren ungarischen Gr\u00fcnen Veltliner und Co. umgebaut worden war.<\/p>\n<p>Dass Herkunftsweine, die diesen Anspruch auch ernst nehmen niemals in diesem Preisbereich spielen k\u00f6nnen und daher diesen konkreten Fall ganz sicher nicht verhindert h\u00e4tten, war den Verantwortlichen egal. Und dass die damals diesbez\u00fcglich gesch\u00fcrten \u00c4ngste vor einem EU-Beitritt Ungarns v\u00f6llig unbegr\u00fcndet waren, habe ich <a href=\"https:\/\/bernhard-fiedler.at\/weblog\/?p=561\">hier<\/a> schon einmal dargestellt.<\/p>\n<p>\u00d6sterreichische Weinsorten sind international zu unbekannt!<\/p>\n<p>Gr\u00fcner Veltliner, Zweigelt und Blaufr\u00e4nkisch w\u00e4ren zwar tolle Rebsorten, aber dem internationalen Publikum zu unbekannt und f\u00fcr Englischsprachige au\u00dferdem schwer auszusprechen, wurde erkl\u00e4rt. Und weil das kleine Weinland \u00d6sterreich nicht die Marktmacht h\u00e4tte, daran etwas zu \u00e4ndern, w\u00e4re es besser, die Weine international \u00fcber ihre Herkunft und nicht \u00fcber die Sorte zu positionieren.<\/p>\n<p>An diesem Argument war damals vielleicht sogar was dran. Aus heutiger Sicht mu\u00df man es aber wohl als einen eklatanten Fall von Selbstuntersch\u00e4tzung der heimischen Weinwerbung einstufen, wenn man sich das Treiben auf unseren wichtigsten Exportm\u00e4rkte so ansieht.<\/p>\n<p>Wie auch immer, damals gelang es auf jeden Fall die Branche mit solchen Thesen zu verunsichern. Diese Stimmung erleichterte es dann den Verantwortlichen ungemein, ihr Konzept einer herkunftsbetonten Weinbezeichnung als DIE L\u00f6sung schlechthin zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber berichte ich aber ein andermal&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn ich in diesem Blog gelegentlich \u00fcber die Diskussion und die Etablierung von DAC-Weinen berichtet habe, schiebe ich den eigentlichen Kern der ganzen Sache schon lange vor mir her. 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